Glauchaus großer Gönner wurde vor 150 Jahren geboren

Am 6. Februar 1869 erblickte Paul Geipel das Licht der Welt. Ihm verdankt das Museum einen wertvollen und wohl einmaligen Schatz, die berühmte Geipel-Sammlung.

Glauchau.

Die Zahlen verdeutlichen die Dimension: 150 Gemälde, 6500 Grafiken, etwa 350 Plastiken und Kleinreliefs, 50 kunsthandwerkliche Objekte, eine fotografische Sammlung, eine aus zahlreichen Bänden bestehende Gelehrtenbibliothek und etwa 2300 Mineralien und Fossilien. Paul Geipel, Medizinprofessor, Pathologe und leidenschaftlicher Kunstsammler hat in den Jahren von 1943 bis 1956 dem Glauchauer Museum einen Schatz zukommen lassen.

Am gestrigen Mittwoch wäre der große Mäzen der Stadt Glauchau 150 Jahre alt geworden. Das Museum nimmt dies zum Anlass, um eine Ausstellung zu zeigen, die unter dem Titel "Nur das Beste!" an Paul Geipel und seine Sammelleidenschaft erinnern soll, sagt Museumskustos Robby Joachim Götze. Die Ausstellung wird vom 18. Mai bis 15. September zu sehen sein, gespickt mit Vorträgen zum Leben und Wirken des Dresdner Medizinprofessors und Ehrenbürgers der Stadt Glauchau. Außerdem werden museumspädagogische Führungen unter dem Motto "Wir sammeln Dinge. Was sammelst Du?" heutiges Sammeln beleuchten.

Doch wie kam ein angesehener Dresdner Mediziner dazu, den Großteil seiner Kunstsammlung der Stadt Glauchau zu vermachen? Das hatte vorrangig familiäre Gründe, denn Otto Schimmel, bis zu seinem Tod 1930 Oberbürgermeister von Glauchau, war der Schwager Geipels. Schimmel heiratete Geipels Schwester Liane Luise. Als im Jahr 1940 im Glauchauer Schloss das öffentliche Museum eröffnet wurde, reifte nach den Worten von Robby Joachim Götze in Geipel der Entschluss, zu Ehren des verstorbenen Schwagers Otto Schimmel, die Kunstsammlung, die nationale Bedeutung erlangt hatte, der Stadt Glauchau zu übergeben.

Am 6. Februar 1869 als Sohn eines Arztes in Zwickau geboren, folgte Paul Rudolf Geipel seinem Vater und studierte ab 1889 Medizin an der Universität Leipzig. Auf Vermittlung des namhaften Pathologen Georg Schmorl kam er 1901 nach Dresden, um die Prosektur des neu errichteten städtischen Krankenhauses Johannstadt zu übernehmen. Abgesehen von den vielversprechenden beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten, die sich ihm nun eröffneten, fand der von Hause aus musisch ambitionierte Geipel in der sächsischen Haupt- und Residenzstadt zahlreiche kulturelle Anregungen. Mit einer mehr oder weniger kontinuierlichen Sammeltätigkeit auf den Gebieten Malerei, Grafik, Plastik und Mineralogie hatte er zur eigenen Erbauung und als Ausgleich zu seiner Tätigkeit als Pathologe bereits 1906 begonnen.

In Paul Geipels Gemäldesammlung dominierten Arbeiten von Künstlern, die in Dresden tätig waren beziehungsweise als Studierende oder Lehrende einen Bezug zur dortigen Kunstakademie hatten und mit dem Sammler zum Teil auch persönlich bekannt, in Einzelfällen befreundet waren. Die grafische Sammlung dokumentiert laut Robby Joachim Götze die Entwicklung der Druckgrafik, angefangen von Martin Schongauer über Albrecht Dürer, Lucas Cranach und Rembrandt, von Daniel Chodowicki über Caspar David Friedrich, Ludwig Richter und Hans Thoma bis hin zu Max Klinger und Käthe Kollwitz.

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