Goldene Zeiten für Oberlungwitzer Kirche

Für ihre Arbeiten im Altarraum des Gotteshauses brauchen zwei Handwerker aus Glauchau nicht nur ein ruhiges Händchen.

Oberlungwitz.

Teile des Altarraumes in der Oberlungwitzer St. Martinskirche sind derzeit verhüllt. Hinter der Plane gab es bereits Malerarbeiten, nun geschieht dort etwas Besonderes. Jan Röhner und Ronny Mehlhorn aus Glauchau bringen echtes Gold auf Ornamenten und Zierleisten auf, die sich zum Beispiel an der Kanzel befinden. Doch extremer Reichtum wird hier nicht verarbeitet. Es handelt sich um Blattgold, das nur 220 Nanometer dick ist. Ein menschliches Kopfhaar bringt es auf etwa 50.000 Nanometer.

Da überrascht es nicht, dass die Verarbeitung des Blattgoldes nicht so einfach ist. "Niesen darf man nicht, schon beim normalen Atmen wird es kompliziert", sagt Ronny Mehlhorn. Die kleinen Blätter des edlen Materials stammen aus einem besonderen Büchlein und werden mit einem Pinsel aufgelegt. Vorher müssen eine Grundfarbe und besonderes Öl aufgetragen werden, das eine Spezialfirma in Frankreich herstellt. Für die Vergoldung mit Blattgold brauchen die Handwerker Zeit und eine ruhige Hand. "Da muss man sich erstmal dran gewöhnen, sonst geht es ja immer darum, alles schnell fertig zu bekommen", sagt Mehlhorn. Er hat genau wie sein Chef Jan Röhner den Umgang mit Blattgold gelernt, was Teil einer besonderen Ausbildung für Maler ist, die sich auch intensiver mit dem Thema Restaurierung beschäftigen.

Das Blattgold ist sehr leicht, und die Blätter lösen sich schnell in kleine Teilchen, die auch an den Handwerkern haften. Schädlich für die Haut ist das Edelmetall aber nicht, man könnte es sogar essen. Vergoldete Leckereien oder Likör, in dem echtes Gold schwimmt, gibt es schließlich auch. Obwohl es einige Bereiche sind, die vergoldet werden, kommen insgesamt nur wenige Gramm des Edelmetalls zum Einsatz, die ein paar Hundert Euro wert wären.

Das verwendete Gold schlummerte zuvor an sicherer Stelle in der Kirchgemeinde, denn es wurde bereits in den 1970er-Jahren angeschafft. Damals half eine Gemeinde aus dem Westen, an das begehrte Material zu kommen. Gefertigt wurde das Blattgold aber im Osten, bei einer Spezialfirma in Dresden.

"Die Restaurierung im Kirchenschiff haben damals Maler aus dem Ort übernommen. Im Bereich über dem Altar durften aber nur Restauratoren arbeiten, doch die fanden sich nicht", erklärt Volkmar Teske, der in der Kirchgemeinde die Bauvorhaben koordiniert. Deshalb wurde das Gold eingelagert. Erst nachdem vor einiger Zeit die Kirchendecke und Teile der oberen Empore restauriert wurden, entstand die Idee, auch den Bereich über dem Altarraum auf Vordermann zu bringen. Dafür kommt nun auch das Gold zum Einsatz, das schon vor mehr als 40 Jahren dafür eingeplant war. Zum Glück hält das Edelmetall sehr lange.

Spätestens zum ersten Advent sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Insgesamt kosten sie laut Teske rund 13.000 Euro.

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