Grenzenlos kreativ: die Klöppelkünstlerinnen

930 Teilnehmer aus sechs Ländern haben sich an einer Ausstellung beteiligt. Jetzt wird sie im Textil- und Rennsportmuseum gezeigt.

Hohenstein-Ernstthal.

Wer in der neuen Sonderausstellung im Textil- und Rennsportmuseum Hohenstein-Ernstthal wirklich alle Exponate einzeln anschauen möchte, muss Zeit mitbringen. Denn die Sonderschau "Das ist spitze - kreativ ohne Grenzen" zeigt 2733 geklöppelte Motive im Format 15 mal 15 Zentimeter, die auf großen Stoffbahnen aufgenäht sind. 930 Klöpplerinnen im Alter von sieben bis 93 Jahren aus Deutschland, Tschechien, Italien, Spanien, Polen und der Schweiz beteiligten sich.

Vier der kleinen Kunstwerke aus Garn stammen von Helga Neubert aus Hohenstein-Ernstthal, die in der Klöppelszene der Karl-May-Stadt so etwas wie eine Institution ist. Seit 1978 klöppelt sie selbst und leitet seit vielen Jahren auch einen Klöppelkurs. Ihr kleines Handarbeitsgeschäft betreibt sie auch im Alter von 78 Jahren noch. "Wenn etwas Freude macht, kann man es einfach nicht lassen", sagt sie. Ihre Klöppelarbeiten erscheinen ebenso kunstvoll wie kreativ. Fantasieblüten und Engel sind zu sehen. "Diese Technik ist hier nicht allzu verbreitet", sagt Helga Neubert. Bei den Farben präsentieren sich ihre Exponate eher dezent, während viele andere Arbeiten sehr bunt sind. "Die Farben sind ja immer mehr im Kommen. Früher wurde weiß oder beige geklöppelt", weiß die Expertin, die über die Vielfalt der Ausstellungsstücke staunt.

Geklöppelte Eulen schauen die Besucher an, genauso andere Tiere. Blumen und Blüten sind gern geklöppelte Motive, aber auch Engel. Manche der kleinen Bilder wurden dreidimensional gestaltet, bei anderen neben dem Garn auch weitere Materialien verarbeitet. Nicht alles zeigt bildliche Motive, denn ausgeklügelte geometrische Formen und Muster sind in der Klöppelszene gern gesehen.

Über die vielen unterschiedlichen Kunstwerke im Kleinformat staunt auch Gosbert Amrhein regelmäßig. Er ist Geschäftsführer der Firma Alterfil Nähfaden in Oederan. Das Unternehmen, das in seiner jetzigen Form 1994 gegründet wurde, aber eine über 100-jährige Geschichte vorweisen kann, hatte 2014 eine Ausschreibung in der Klöppelszene gestartet, die ungeahnte Ausmaße annahm. Es galt, die vorgegebene Größe von 15 mal 15 Zentimetern mit kreativen Klöppelarbeiten zu gestalten. Für jede eingereichte Arbeit gab es dann einen Einkaufsgutschein in Höhe von 15 Euro für Produkte des Oederaner Garnspezialisten, der normalerweise vor allem Großabnehmer in aller Welt beliefert. "Ich hätte nie gedacht, dass es so viele werden. Tausend hätte ich schon als gigantisch betrachtet", sagt Amrhein. Das Projekt entwickelte sich zwar zu einer relativ kostspieligen Angelegenheit, doch der Werbeeffekt sei immens gewesen - gerade im Internet.

Zur Ausstellung, die im Textil- und Rennsportmuseum bis zum 5.März zu sehen ist, gibt es auch eine kleine Ausstellung zur Klöppelgeschichte. Geöffnet ist das Museum von Dienstag bis Sonntag, jeweils 13 bis 17 Uhr.

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