Grippewelle überrollt Sachsen: Kreisverwaltung wird Lazarett

Am Wochenende fand an mehreren Orten im Freistaat zeitgleich eine Landeskatastrophenschutzübung statt. Darin eingebunden war auch der Raum Werdau/Zwickau.

Werdau/Zwickau.

Nazar Gargat ist gemeinsam mit 29 weiteren jungen Männern auf dem Weg nach Chemnitz, um dort an einem Sportwettkampf teilzunehmen. Kaum haben sie das Sportforum erreicht, erfahren sie, das unter den Teilnehmern zahlreiche Krankheitsfälle zu beklagen sind. Die Werdauer treten mit ihrem Bus die Heimreise an. Auf der Rückfahrt plagen Nazar Gargat plötzlich Kopfschmerzen, ihm ist übel, er muss sich übergeben. So wie ihm ergeht es auch den anderen Insassen. Der Busfahrer alarmiert den Rettungsdienst, und die Leitstelle schickt einen Notarztwagen los, um die Erkrankten in Augenschein zu nehmen.

Was die Sportler zu dem Zeitpunkt nicht wissen: Ganz Sachsen wird von einer Grippewelle überrollt. Stündlich steigt die Zahl der Erkrankten, die Kliniken sind bereits überfüllt. Um die jungen Leute aus Werdau dennoch medizinisch versorgen zu können, wird auf Weisung des Landrates im Verwaltungssitz an der Königswalder Straße der sogenannte Behandlungsplatz 50 (BHP - die "50" steht für die mögliche Kapazität) aufgebaut. Als die Sportler eintreffen, ist der BHP bereits arbeitsfähig und durch Kräfte des Katastrophenschutzes besetzt.

Nazar Gargat wird schon von Mike Philipp erwartet. Der leitende Notarzt untersucht den jungen Mann und entscheidet: Der 21-Jährige muss dringend in ein Krankenhaus. Bis geklärt wird in welches, wird er im BHP weiter versorgt. Der Behandlungsplatz ist in drei Kategorien aufgeteilt. Rot für die schweren Fälle, Gelb für die mittleren Fälle und Grün für die Erkrankten mit leichten Beschwerden. Nazar Gragat kommt in das gelbe Zelt. Dort erfolgt die weitere medizinische Versorgung bis zur Verlegung in ein Krankenhaus. Die Entscheidung fällt auf das Heinrich-Braun-Klinikum in Zwickau. Die Krankenwagen stehen abfahrbereit. Der Transport erfolgt fast im Minutentakt.

Im Zwickauer Klinikum hat man sich bereits auf den Notfall vorbereitet. Nach einer ersten Sichtung der Patienten wird entschieden, wie mit ihnen weiter verfahren wird. Die akuten Fälle kommen in den zentralen OP-Bereich, wo alle notwendigen medizinischen Versorgungen erfolgen. Danach beginnt die Verteilung auf die Stationen. Die Patienten, deren Zustand stabil ist und die nicht auf dringende Hilfe angewiesen sind, werden vorübergehend in der Garage unterbracht. Die wurde in ein Lazarett umgestaltet. Doch auch dort wird die medizinische Versorgung gewährleistet.

Was alles täuschend echt wirkte, war Bestandteil einer landesweiten Übung. Die Patienten wurden von Statisten gespielt und kamen von der Rettungsdienstschule Neidel in Werdau. So auch Nazar Gargat. Der 21-Jährige aus Meerane wird in Werdau zum Notfallsanitäter ausgebildet. Die Ärzte sind auch im wahren Leben Mediziner. Mike Philipp beispielsweise arbeitet als Notarzt beim Rettungszweckverband Südwestsachsen. Sämtliche anderen Kräfte gehören dem Katastrophenschutz, Hilfsverbänden und anderen Organisationen an. Rund 240 Frauen und Männer waren insgesamt an der Übung beteiligt. Hinzu kamen 40 Beschäftigte des Klinikums in Zwickau: vom Geschäftsführer bis zur Krankenschwester, die ebenfalls in die Übung integriert waren. Rund 50 Gäste, zu denen Bürgermeister, Kreisräte, Vertreter der Bundeswehr, und der Polizei gehörten, verfolgen das Geschehen mit Interesse.

Mario Müller, Dezernent im Landratsamt und Leiter des Katastrophenschutzes, zeigte sich nach der mehr als dreistündigen Übung zufrieden: "Das Zusammenspiel hat gut funktioniert. Eine detaillierte Auswertung mit den beteiligten Partner erfolgt in den nächsten Tagen."

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