Hausarzt übergibt Praxis an jüngere Kollegin

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Trotz Ärztemangels klappt in Oberlungwitz der Übergang reibungslos. Eine 39-jährige Medizinerin kümmert sich künftig um die Patienten.

Oberlungwitz.

Seit 1988 ist Thomas Kreußlein als Hausarzt tätig gewesen, doch nun ist die Zeit für den Ruhestand gekommen. In den kann der 65-Jährige ohne die Sorge starten, wie es in seiner Praxis in Zeiten des Ärztemangels weitergeht. Denn eine Nachfolgerin hat er schon gefunden: Ann-Kathrin Westendorf, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, übernimmt die Praxis in Oberlungwitz. "Ich wollte raus aus der spezifischen Apparatemedizin und mehr Nähe zu den Patienten haben", sagt die 39-Jährige die bisher im Bethanien-Krankenhaus in Chemnitz und im Medizinischen Versorgungszentrum angestellt war. Durch mehr Nähe zu den Patienten sei beispielsweise in Sachen Prävention viel mehr möglich, erklärt die ursprünglich aus Niedersachsen stammende Medizinerin.

Bis zum Start im neuen Jahr sind noch einige Herausforderungen zu meistern, bei denen auch Thomas Kreußlein hilft. Unter anderem gab es in den vergangenen Tagen viele Hinweise rund um das Thema Abrechnung, mit dem Ann-Kathrin Westendorf als angestellte Ärztin bisher nur wenig zu tun hat. Die Bürokratie, allerlei strenge Vorgaben oder Kontrollen sind etwas, das für Thomas Kreußlein durchaus ärgerlich sind. Denn sie verschlingen Zeit, die man eigentlich für Patienten brauche. "Es bleibt da sehr viel an uns hängen. Beim Hausarzt laufen ja alle Fäden zusammen", sagt Kreußlein und sieht einige Bereiche, in denen etwas falsch läuft.

Seit einiger Zeit gehört auch die Digitalisierung dazu. Sie kostet Zeit und Nerven, funktioniert aber noch lange nicht richtig. "Sie bietet tatsächlich viele Möglichkeiten, aber bisher bringt es nichts. Andere Länder sind da schon weiter", sagt Kreußlein, der aber auch weiß, wie wichtig das persönliche Gespräch bleibt. Denn die Hinweise vom Hausarzt würden von den Patienten ernst genommen, auch von den Jüngeren, die gern schon mal selbst im Internet nach Diagnosen suchen.

Die Nachfolge zu regeln, war für Thomas Kreußlein schon seit zweieinhalb Jahren ein Thema. Mithilfe von Ausschreibungen wurde gesucht, doch Ann-Kathrin Westendorf fand über persönliche Hinweise den Weg nach Oberlungwitz. Die Praxis im Gebäude der Stadtwerke wird sie nur leicht verändern. Unter anderem gibt es in Zukunft auch die Möglichkeit für Ultraschalluntersuchungen. Fotos im Flur, wo derzeit noch Urlaubs- oder Konzertbilder von Thomas Kreußlein zu sehen sind, wird es auch in Zukunft geben. Thomas Kreußlein will auch künftig reisen oder Konzerte besuchen, sofern die Corona-Pandemie irgendwann überwunden ist. Zuvor muss er sich allerdings erst einmal selbst in die Hände von Ärzten begeben, denn es steht eine Knieoperation an.

In Oberlungwitz gibt es drei Hausarztpraxen, eine Kinderärztin, drei Zahnärzte und eine Gynäkologin. "Damit ist die Grundversorgung sichergestellt", sagt Bürgermeister Thomas Hetzel (parteilos).

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