Hier müssen Experten aufs Dach

Im Gewandhaus Zwickau geben sich die Gewerke gut ein Jahr vor der Wiedereröffnung die Klinke regelrecht in die Hand. Für die Verantwortlichen ist die Sanierung vor allem eines: ein Gemeinschaftsprojekt.

Zwickau.

Was hinter dem Eisernen Vorhang passiert, das wird noch eine Weile ein Geheimnis bleiben. Christoph Kramer, Bauamtsleiter in Zwickau, weist auf einer dunkle Wand aus Metall, die hinter einem tiefen Loch aufragt: Dahinter wird es ab Montag interessant.

Kramer steht dort, wo früher der Zuschauersaal des Zwickauer Theaters war. Und wo er künftig auch wieder sein wird. Die derzeit freigelegten Fenster geben dem Raum eine ganz ungewohnte Anmutung. Lediglich die übrig gebliebenen Podeste liefern einen Eindruck davon, wie hier das Publikum mal gesessen hat. In den nächsten Monaten wird sich der Eindruck des Saals völlig neu gestalten. Die Podeste bleiben erhalten, werden aber verlängert, sodass die Zuschauer mehr Platz bekommen. "Die Fenster verschwinden wieder. Leider", sagt Kramer. Aber Licht von draußen braucht wäh- rendeiner Vorstellung wirklich niemand.


Für die Gestaltung des Saales gibt es schon Pläne. Nicht alles davon wollen Kramer und Frank Firmbach, der die Stadt beim Management der Sanierung unterstützt, schon verraten. Nur so viel: Die Sitze werden bequemer und rot. Auch bekommt die Bühne einen roten Vorhang - natürlich -, während sich die Farbgestaltung von Wänden und Fußboden etwas zurücknehmen soll. Die beiden Männer machen den Eindruck, als würden sie sich schon auf das neue Theater freuen.

Während es innen noch nach viel Arbeit aussieht, können die Zwickauer schon seit einiger Zeit beobachten, wie sich das alte Gebäude äußerlich verändert. Auf der zum Hauptmarkt zeigenden Seite sind die Dachdecker fleißig bei der Sache. Die Fachleute reisen aus dem Erzgebirge an: Die Altdeutsche Deckung, die auf dem Gewandhaus war und vom Denkmalschutz auch wieder verlangt wurde, beherrscht heute nicht mehr jeder Handwerker. Trotzdem gehört das Über-Eck-Anbringen der Schiefer zu den Dingen, über die nicht diskutiert wurde. An anderer Stelle sind Kompromisse und Verhandlungen unerlässlich. Schlimm findet das Kramer nicht. "Wir haben alle dasselbe Ziel."

Wer jetzt direkt unters Dach schauen kann, sieht die alten Balken, die bereits ausgebessert wurden. Das Holz, so erklärt es Frank Firmbach, wurde dendrochronologisch untersucht. Das heißt, die Jahresringe wurden ausgewertet. Sie stammen vom Anfang des 16. Jahrhunderts, was die Bauzeit bestätigt. Im Foyer werden die Besucher künftig deutlich ältere Balken sehen. Man geht davon aus, dass das Holz bereits anderweitig verwendet worden war.

Alte Balken und andere Fundstücke von der Sanierung sollen den Theatergästen künftig einen Eindruck von der Geschichte des Hauses geben. Was die Gestaltung angeht, wird das Zwickauer Gewandhaus eher zeitlos modern. Kramer nennt es schlichten Chic. "Wir haben eine historische Hülle, die wir mit einer hochmodernenFunktion füllen." Auch das mache diese Aufgabe zu etwas Besonderem.


Mitten in den Arbeiten

Bereits abgeschlossen sind die Arbeiten am Turm, der mit neuen Kupferblechen, Geländern und Vogelschutz versehen wurde, Glocke und Blitzschutz wurden angebracht. Die alte Schieferdeckung wurde komplett entfernt, die Geschossdecke über der dritten Etage ist fertiggestellt. Im Bereich des Orchestergrabens ist der Rohbau beendet worden, die Bühnentechnik wurde demontiert. In den Garderoben sind die Elektriker mit der Verkabelung fertig.

Derzeit in Arbeit ist die Restaurierung der historischen Deckenbalken im ersten Stock. Im Zuschauersaal werden die Trockenbau-Verkleidungen abgerissen, während gleichzeitig in den Toilettenanlagen neue Trockenbauwände angebracht werden. Verlegt werden derzeit sowohl Elektro- als auch Trinkwasserleitungen. Der hydraulische Antrieb für den Eisernen Vorhang wird demontiert, die Arbeiten an der Bühne beginnen am Montag. (sth)

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