Hinter dem Fahrspaß auf dem Berg steckt harte Arbeit

Rund 40 Fahrgeschäfte und Schausteller warten ab dem heutigen Mittwoch auf dem Pfaffenberg auf Besucher - und haben hinter den Kulissen mit vielen Problemen zu kämpfen - zum Beispiel mit Arbeitskräftemangel.

Hohenstein-Ernstthal.

Für Frauke Sauerland (41) und ihren Lebensgefährten Thomas Bachmann (47) war am Dienstagmorgen die Nacht schnell vorbei. "Wir brauchen normalerweise zwei Tage zum Aufbauen. Hier auf dem Bergfest haben wir nur einen Tag dafür", sagt Thomas Bachmann und schleppt schon wieder eine Traverse zum Musik-Express. Zwölf bis 13 Stunden wird die fünfköpfige Truppe aus Dresden für den Aufbau des Fahrgeschäfts schuften. "Eigentlich könnten wir noch zwei Mitarbeiter einstellen, aber keiner will den Job mehr machen", bedauert Sauerland. Deshalb müssen auch die beiden Frauen in der Mannschaft mit zupacken.

Plötzlich bekommen sie Verstärkung. Vater Bernd Bachmann war mit dem Wohnwagen in der Nähe. Er kennt die Anlage besser als jeder andere, schraubt trotz seiner 78 Jahre beim Aufbau noch mal mit. Keine leichte Arbeit. Manche Teile wiegen zwei Zentner und müssen gemeinsam in die Höhe gewuchtet und montiert werden, bevor die Hydraulik das komplette Dach über Druckzylinder nach oben schiebt. Zusätzlichen Aufwand bringt die Hanglage am Pfaffenberg. "Wir müssen hier 50 Zentimeter Höhenunterschied ausgleichen, damit alles exakt in Waage steht", sagt der Chef.


Vier Laster mit rund 55 Tonnen Equipment rollten am Montagabend an. Das Herzstück der Anlage, das Chassis auf vier Achsen, misst allein mit Zugmaschine 25 Meter und bedarf wegen der Überlänge einer Genehmigung für Schwerlasttransporte. Wenn heute der Familientag auf dem Pfaffenberg läuft, muss alles funktionieren. Startet der Musik-Express einmal durch, zieht das Aggregat 100 Kilowatt Leistung. Fünf Elektromotoren sorgen für Rotation. "Das belastet jede Phase mit 160 Ampere", sagt Thomas Bachmann. Als er sich den Musikexpress 1991 gekauft hat, musste er 1,8 Millionen D-Mark dafür hinblättern. "Die Leute wundern sich manchmal, warum auf dem Rummel die Preise so gestiegen sind. Aber so eine Anschaffung ist kein Kleinwagen, dann kommen Kosten für Strom, Standgebühren, Lohn für die Angestellten hinzu." Diesmal war zumindest die Anreise nicht so kostenintensiv. "Vor dem Fest auf dem Pfaffenberg waren wir in Waldheim", sagt Frauke Sauerwald. Auch die neue Din-Vorschrift für sogenannte "Fliegende Bauten" - Achterbahnen, Karusselle, Riesenräder - macht den Schaustellern Sorgen. Die neuen Sicherheitsstandards betreffen vor allem die älteren Anlagen. "Das verursacht wieder zusätzliche Kosten", so Frauke Sauerwald.

Sie könnte sich trotzdem kein anderes Leben vorstellen. Auch nicht für ihre Kinder Isabella (14) und Antonio (10). "Sie sind es gewohnt, ständig woanders zur Schule zu gehen. Wir sind ja auch so aufgewachsen." Sie hofft, dass das Wetter mitspielt und viele Leute auf den Pfaffenberg zieht. Die sollen Spaß haben. Deshalb hat der mittelsächsische Schaustellerverband auch Neues aufgefahren, so die Piratenboot-Schaukel von Mario Groß aus Döbeln. "Noch kann man sagen, dass es auf dem Bergfest funktioniert. Trotzdem spüren wir die Tendenz, dass Schausteller hier zur aussterbenden Spezies werden. Sie gehen oft in den Westen, wo bei der Pflege von Traditionen alle noch mitziehen", bedauert Verbandschef Klaus Illgen.

Um Punkt 15 Uhr startet am heutigen Mittwoch das Bergfest mit der offiziellen Eröffnung. Die Kinder werden vom Musiktheater Karolini und Kunos Kinderkiste begrüßt. Um 19 Uhr spendiert die Gersdorfer Glückauf-Brauerei zum Festauftakt für Besucher ein Fass Freibier. Danach steht die Beatles-Coverband Strawberries auf der Freilichtbühne und macht Musik.

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