Höchste Präzision gefragt

Der Besuch bei einem Werkzeugbauer in St. Egidien zeigt Schülern, wie komplex Ausbildungsberufe sein können.

St. Egidien.

Von Millimeterarbeit zu sprechen, wäre grandios untertrieben. "Auf fünf Tausendstel Millimeter kommt es an", erklärte Ausbildungsleiter Andreas Franke den vier Schülern, die am Dienstag das WVL-Werk in St. Egidien besuchten. Der Betrieb öffnete im Rahmen der sachsenweiten Woche der offenen Unternehmen seine Pforten.

Die Firma beschäftigt am Standort St. Egidien 150 Mitarbeiter. Sie gehört zur Aweba-Gruppe in Aue, laut Aussage des Unternehmens einer der modernsten Werkzeugbauer Europas. Und wie auch in vielen Konkurrenzbetrieben ist man in St. Egidien auf der Suche nach Nachwuchs.

Auf die kurze Einführung folgte eine Tour durch die Werkshallen. Hier ist etwas weniger Betrieb als noch im Vorjahr. Der Grund: Das Unternehmen musste am Standort auf Kurzarbeit umstellen, weil die Transformation zur E-Mobilität in der Autobranche zu Umsatzeinbußen geführt hat. Doch die WVL fertigt längst nicht nur Teile für Autozulieferer. Die Hallen sind voll mit Bauteilen, Baugruppen, Getriebeteilen und Werkzeugen in allen erdenklichen Formen und Größen. Andreas Franke bleibt kurz stehen, zeigt auf eine Schneidplatte. "Hier ist Nacharbeit nötig, weil sich um mehrere Hundertstel Millimeter verschnitten wurde." Die WVL stellt nicht nur Teile in Serie, sondern auch Einzelstücke her. Da können kleinste Fehler teuer werden.

Die Fräsmaschinen in der Produktion sind der Schlüssel zum Erreichen der benötigtem Präzision. "Die gibt es doch auch mit fünf Achsen", stellt Annika Spindler während der Tour fest. Die Oberlungwitzerin hat bereits mehrere solcher Hallen besucht, die Technik ist ihr nicht unbekannt. Das Fachabitur hat Annika in der Tasche. Sie könnte sich vorstellen, ein Bachelorstudium zu machen.

Auch das bietet die WVL an. Am Dienstag ging es aber vorrangig um Ausbildungsberufe. Mechatroniker, Zerspanungs- und vor allem Werkzeugmechaniker werden gesucht. Momentan lernen am Standort elf Auszubildende. Die Firma könne zwar nicht ganz so viel zahlen wie mancher Autobauer. Aber, so Franke: "Wer einmal hier ist, der bleibt." Soll heißen, die WVL bietet Ferienpraktika und Ferienarbeit an. Und alle, die daran teilgenommen haben, seien nun vom Unternehmen beschäftigt. Auch für Frauen sei das etwas. "Durch die immer modernere Technik im Werk geht die körperliche Belastung zurück", sagte Franke. Auch nach der Ausbildung kümmere sich das Unternehmen weiter um die Neuen. Die können sich nach einigen Jahren etwa zum Techniker mit den Fachrichtungen Programmierung, Konstruktion oder Arbeitsvorbereitung qualifizieren.


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