Hohenstein-Ernstthalerin malt in Israel Überlebende des Holocaust

Für die Renovierung einer Begegnungsstätte in der Stadt Hadera griff Isolde Roßner im April zum Pinsel. Erst strich sie Türen. Dann liefen ihr Menschen über den Weg, gezeichnet von einer unrühmlichen Epoche deutscher Geschichte.

Hohenstein-Ernstthal.

Der Männername Shlomo entstammt dem Hebräischen und heißt: seinen Frieden. Seinen Frieden hat Shlomo inzwischen gefunden. Shlomo lebt mit seiner Frau, einer polnischen Jüdin, in Israel, seine Tochter in den USA. Der heute 79-Jährige gehört zu den Überlebenden des Holocaust. Isolde Roßner hat Shlomo gemalt bei einem Besuch in Israel. Einige des acht ausdrucksstarke Porträts umfassenden Zyklus' "Die den Holocaust überlebten" stellt die Hohenstein-Ernstthaler Künstlerin jetzt in der Partnerstadt Burghausen aus.

Entstanden sind die Arbeiten in Hadera, einer Stadt mit 77.000 Einwohnern, gelegen im Bezirk Haifa. Im April hatte es Isolde Roßner und ihren Ehemann dorthin verschlagen. "Wir wollten helfen", sagt die 70-Jährige. Es ging um Renovierungsarbeiten im "Café Europa", einer Begegnungsstätte für Holocaust-Überlebende, an der der Zahn der Zeit genagt hatte. "Während die anderen die Elektrik erneuert haben und einiges umbauten, habe ich die Türen gestrichen", sagt Isolde Roßner. Dass ihr dabei Shlomo über den Weg lief, war ein Glücksfall. Auch er besucht regelmäßig die Begegnungsstätte. Von ihm erfährt sie, dass mehr als 40.000 der 180.000 Holocaust-Überlebenden in Israel unter der Armutsgrenze leben. "Viele haben die Gräuel im Konzentrationslager nie verwunden. Die meisten sind so gestört, dass sie nie arbeiten konnten", sagt Isolde Roßner.

Shlomo hatte Glück im Unglück. Den damals Neunjährigen versteckte eine katholische Familie. Er konnten den Nazis entrinnen. Alle seine Angehörigen, Eltern, Geschwister, sämtliche Verwandten, brachten die Nationalsozialisten in den Konzen- trationslagern Auschwitz, Sachsenhausen und Buchenwald um. Shlomo spricht Englisch, erzählt ihr die Geschichten der alten Frauen und Männer, die sich im Treff neugierig umsehen und mit Freude Tag für Tag die Verwandlung ihrer Begegnungsstätte miterleben. Immer wieder unterbricht Isolde Roßner ihre Arbeiten, um jene zu malen, die ihre Skepsis gegenüber der freundlichen blonden Dame aus Deutschland ablegen können. Die meisten reagieren positiv, sind höflich, fast freundschaftlich. "Eine Frau hat mich auf offener Straße aber auch mal beschimpft, da musste ich schon schlucken", sagt sie.

Bei Rivka war das anders. Sie setzte sich selbstbewusst vor die Staffelei und verlangte: "Malen Sie mich und nehmen Sie das Bild mit nach Deutschland." Als wollte sie sagen, die Menschen in Europa sollten beim Betrachten darüber nachdenken und von der Geschichte lernen. Isolde Roßner hört Berichte über das Vorgehen der Gestapo, grausame Misshandlungen und das Leben im Ghetto. Jeden Tag begegnet die Künstlerin Betroffenen. Die meisten sprechen nur Hebräisch, manche gebrochen Englisch. Die Eindrücke aus diesen Begegnungen sitzen noch immer tief.

Irgendwie war sie dann froh, endlich am Toten Meer zu sitzen und farbenfrohe Landschaften zu malen und etwas Abstand zu dem bedrückenden Thema zu bekommen..

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