Horchmuseum zeigt Trabi-Vielfalt

Erste Sonderausstellung im Museumsanbau: Das Kultauto findet dort jetzt viermal mehr Platz als vorher.

Zwickau.

Die letzte Fläche im 14,3 Millionen Euro teuren Anbau des Horchmuseums, der bereits im November eröffnet wurde, ist nun ausgefüllt. Gestern hat Museumschef Thomas Stebich dort die erste Sonderausstellung eröffnet. Da sich in diesem Jahr zum 60. Mal der Serienproduktionsstart des kleinen großen Zwickauers jährt, hat sich das Museum für den Trabi entschieden. Cabrios, bis zu 133 PS starke Tuning-Fahrzeuge, Rennwagen, Prototypen und Medienstars sind dort zu sehen. Titel der Ausstellung: "Ersehnt, geliebt, gehasst, unvergessen - 60 Jahre Trabant".

"Es ist ein Wiederaufguss einer sehr, sehr spontanen Ausstellung zum Trabitreffen 2017", gab Stebich gestern zu. Der Anbau sollte damals schon stehen, war aber in Zeitverzug geraten. Nun verfügt das Museum über 600 Quadratmeter Sonderausstellungsplatz, auf dem 21 Exponate - die meisten Leihgaben von Privatleuten und vom Verein Intertrab - gezeigt werden.

Der Besucher erfährt, dass der DDR-Ministerratsvorsitzende Willi Stoph wohl im Trabant Tramp mit offenem Verdeck zu jagen pflegte. Zumindest war das Auto 1984 in Waren (Müritz) auf seinen Namen zugelassen worden, Stophs Jagdrevier. Zu sehen ist der zum P 601 umgebaute himmelblaue "Schorsch" - eigentlich ein Modell 1.1 - aus der Komödie "Go Trabi Go" von 1991, mit dem Schauspieler Wolfgang Stumph und seine Filmfamilie Italien unsicher machen wollten. Der Reichenbacher Hans-Jürgen Kuhn, der beim Dreh für den Fuhrpark zuständig war und das Auto am Ende von Bavaria-Film geschenkt bekommen hatte, lieh es dem Museum. Für die Fahrt auf zwei Rädern hatte dieses Exemplar als einziges von insgesamt zwölf optisch identischen Fahrzeugen sogar noch einen stärkeren Wartburgmotor bekommen.

Dem 43-jährigen Bert Oehlgardt aus Bad Köstritz verdankt das Museum einen der letzten Trabis. In einer "Last Edition" wurden 1995 fast 500Trabis aus der Türkei zurückgeholt, die dort 1991 hängengeblieben waren, Viertakter mit 40 PS, wegen ihres Stückpreises im Oktober 1995 von stolzen 19.444 Mark schwer verkäuflich. 444 wurden wieder aufgemotzt, sogar Udo Lindenberg hat einen. "Fünf erhielten von der Zigarettenfirma Reemtsma eine Sonderlackierung mit Motiven aus den fünf neuen Bundesländern und wurden verlost", sagt Oehlgardt, der dem Gewinner Jahre später den Sachsen-Trabi mit Airbrush-Logo der Leipziger Messe, Leipziger Rathaus und Frauenkirche abkaufte. Er hatte sich zudem auf die Suche nach den vier Geschwistern gemacht und herausgefunden, dass der aus Mecklenburg-Vorpommern, auf dem die Kreidefelsen zu sehen sind, wieder zugelassen sein soll.

Das August-Horch-Museum ist eines von europaweit zwei Museen, die sich an einer originalen Fertigungsstätte befinden. Auf fast 7000Quadratmetern Fläche können Besucher dort eine einmalige Zeitreise durch 114 Jahre Automobilbau in Westsachsen erleben. Die Sonderausstellung ist bis August zu sehen und soll immer mal wieder mit wechselnden Fahrzeugen gezeigt werden. "Der Bedarf an Emotionalem und Tatsächlichem beim Trabant ist groß", begründet Stebich. Ein Extra-Ticket ist für die Schau nicht nötig. (mit pefr)

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