Hund beißt Rentner - Halter steht vor Gericht

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Zwei Senioren werden in Glauchau von einem Hund angefallen, während sein Herrchen volltrunken vorm Haus liegt.

Hohenstein-Ernstthal.

Der 5. September 2020 ist einer 70-jährigen Glauchauerin im Gedächtnis geblieben. Wie jeden Sonnabend macht sie sich damals gegen 7.30 Uhr auf den Weg zum Bäckerauto in der Österreicher Straße. Plötzlich hört sie ein lautes Bellen. Ehe sie reagieren kann, stürzt ein großer Hund auf sie zu und beißt sie in die linke Pobacke. Der Hundehalter, ein 32-jähriger Mann aus Glauchau, musste sich jetzt wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht Hohenstein-Ernstthal verantworten.

"Nach dem Biss blieb der Hund vor mir sitzen, ich konnte nicht weg. Zum Glück habe ich keine Angst vor Hunden, habe beruhigend auf ihn eingeredet", berichtete das Opfer. Die Backe färbte sich derweil grün und blau. "Wer weiß, was passiert wäre, wenn ich geflüchtet wäre. Ein Kind hätte vielleicht falsch reagiert", orakelte die Rentnerin. Der Hund der Rasse Owtscharka, der sie angefallen hat, bringt immerhin 60 Kilogramm auf die Waage.

Auch einen 76-Jährigen attackierte das streunende Tier. Dem Rentner, der gerade aus der Haustür trat, biss der Hund in den Oberschenkel. "Das war aber mehr ein Zwicken", räumte der Mann ein. Er sah dem Hund seine Verstörung an. Der Grund für diesen Zustand lag neben der Tür. Der Rentner erkennt in der hilflosen Person am Boden den Halter des Hundes. "Ich wollte ihm helfen, das hat der Hund wohl missverstanden." Er habe ja nicht gewusst, ob der Mann nur betrunken ist oder vielleicht einen Herzinfarkt erlitten hat. Der Hund hielt jeden in Schach, der sich dem Geschehen näherte. Der Rentner erkannte: "Das Tier wollte nur sein Herrchen beschützen. Mir war klar, dass der Hund im Wesen nicht bösartig ist."

Dennoch: Auch die Polizisten hielten respektvoll Abstand. Die Situation entspannte sich erst, als der Hundehalter zu sich kam und mit dem Tier den Weg in seine Wohnung antrat. Da fragten die Polizeibeamten den Mann nach dem Impfstatus des Hundes. "Das ist in so einem Fall wichtig für die Behandlung der gebissenen Personen. Möglicherweise muss der Verletzte gegen Tollwut geimpft werden", erklärte der Polizeibeamte, der damals die Befragung erledigte. Doch der Angeklagte sei zu betrunken gewesen, um überhaupt die Frage zu verstehen. "Wie betrunken war er denn wirklich? Haben Sie einen Test gemacht?", wollte Richter Manfred Weber wissen. Die Antwort des Polizisten: "Zu einem Alkomattest war er nicht mehr in der Lage. Es ging geschätzt Richtung drei Promille. Wenn wir ihn für einen Bluttest im Krankenhaus aus der Wohnung geholt hätten, hätten wir den Hund erschießen müssen. Das wollten wir ihm nicht antun."

Das war auch nicht nötig. Der Angeklagte, der bereits vorbestraft ist, räumte alles ein, entschuldigte sich aufrichtig bei den beiden Rentnern. Seit dem Vorfall muss der Hund einen Beißkorb tragen. Außerdem wird der Halter regelmäßig vom Landratsamt kontrolliert. Sogar die Schließanlage habe er umbauen lassen müssen, sagt er.

Richter Manfred Weber brachte das Problem auf den Punkt: "Wer sich so ein Tier zulegt, hat eine gewisse Verantwortung. Sie können sich nicht sinnlos betrinken, wenn sie mit so einem Hund unterwegs sind." Seit dem Vorfall habe er keinen Tropfen Alkohol getrunken, versicherte der Angeklagte. Das Verfahren wurde gegen Zahlung einer Geldauflage von 600 Euro eingestellt.

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