"Im Frühling kommt die Sperrscheibe weg"

Bürgermeister Erik Seidel über die Hochwasser-Baustellen, Modernisierung des Sommerbades und das zähe Ringen um die Jagdgenossenschaft

Gersdorf.

Die Gemeinde Gersdorf kann in diesem Jahr weniger investieren als zuvor. Vor allem die Maßnahmen zur Beseitigung der Hochwasserschäden am Hegebach schränken den finanziellen Handlungsspielraum der Kommune ein. Hans-Peter Kuppe sprach mit Bürgermeister Erik Seidel (parteilos) auch über die anderen aktuellen Probleme im Ort.

Freie Presse: Welche Vorhaben im öffentlichen Raum haben für Sie in diesem Jahr Priorität?

Erik Seidel: In jedem Fall hat der Abschluss der Baumaßnahmen zur Beseitigung der Hochwasserschäden Vorrang. Die Gersdorfer sollen das Ortszentrum bald wieder ungehindert passieren können. Nach dem Wintereinbruch wird sich die Fertigstellung nun etwas verzögern, aber ich denke, im Laufe des Frühlings kommen die Vollsperrscheiben weg. Wir haben noch eine weitere Baustelle im oberen Ort. Da mussten wir aber wegen einer privaten Baumaßnahme unterbrechen. Dort geht es voraussichtlich im März weiter. Und wir haben noch fünf kleinere Maßnahmen direkt im Hegebach. Da müssen Bachböschungen repariert sowie Anlandungen und Bewuchs beseitigt werden. Das wird bis Juni andauern. Zur Jubiläumsfeier "850 Jahre Gersdorf" soll alles erledigt sein.

Bisher wurde der Erhalt von Freibädern nicht mit Fördermitteln bedacht. Das sächsische Umweltministerium hat jetzt 25 Millionen Euro für vitale Dorfzentren freigegeben. Wird das Programm fürs Sommerbad-Projekt genutzt?

Nein, wir werden die Maßnahmen im Sommerbad über zwei Jahre hinweg mit der Leader-Förderung realisieren. Dort ist der Fördersatz höher als beim neuen Programm. Es geht ja immer darum, als Kommune den Eigenanteil aufzubringen. Das ist angesichts der vielen Hochwassermaßnahmen, für die wir bekanntlich in Vorkasse gehen müssen, ohnehin schwer genug. Das Bad soll ja, auch mit Unterstützung des Fördervereins Sommerbad, eine neue Rutsche bekommen. Die Umzäunung am Beachvolleyballplatz wird erneuert und 2020 ist dann die komplette Neugestaltung und technische Modernisierung des Kleinkinderbereiches dran.

Soll das Schwimmbecken auch mal saniert werden?

Wir reparieren da schon Jahr für Jahr. Da werden immer wieder die Fugen abgedichtet und das Becken bekommt neue Farbe. Die Betonplatten liegen ja quasi auf dem blanken Boden. Eine komplette Erneuerung würde rund 3 Millionen Euro kosten. Daran ist im Moment überhaupt nicht zu denken, da sind zum Beispiel weitere Hochwasserschutzprojekte oder die noch ausstehenden Arbeiten an Schule und Kindertageseinrichtung wichtiger.

Wie weit ist die Kommune mit der Bildung eines arbeitsfähigen Vorstandes für die Jagdgenossenschaft vorangekommen?

Der Gemeinderat, mit Hilfe der Gemeindeverwaltung, übernimmt seit vielen Jahren die Arbeit eines Notvorstandes für die Jagdgenossenschaft. Da werden Kapazitäten gebunden, die wir dringend in anderen Arbeitsfeldern brauchten. Inzwischen wurden mehrere Freiwillige gefunden, auch die Agrargenossenschaft will ein Mitglied stellen. Ich hoffe, dass wir zur nächsten Sitzung im April endlich einen arbeitsfähigen Vorstand benennen können und im Anschluss die Genossenschaftler diesen wählen werden.

Was erhoffen Sie sich hinsichtlich der bevorstehenden Kommunalwahlen für den Ort?

Wie sich der Gemeinderat zusammensetzt, das kann ich mir nicht wünschen. Das entscheiden die Gersdorfer mit ihrem Kreuzchen auf dem Wahlzettel. Ich habe nichts gegen kontroverse Einschätzungen und unterschiedliche Meinungen. Ich erwarte aber, dass wir weiter wie bisher sachlich diskutieren und zielorientiert für unseren Ort entscheiden. Wer dagegen arbeitet, schafft immer nur Stillstand. Und jeder sollte am Ende hinter den Entscheidungen des Rates stehen, auch wenn er persönlich mal eine andere Meinung hat.

Im vergangenen Jahr gab es mehrfach Vandalismus. Hat die Kommune deswegen besondere Maßnahmen ergriffen?

Es hat Beschädigungen und Vorkommnisse im Bereich der Hessenmühle und auf Spielplätzen gegeben. Aber im Grunde genommen ist es im Ort vergleichsweise ziemlich ruhig. Wir wollen auch nicht gleich überall Überwachungs- kameras aufstellen, das wäre rechtlich sowieso zweifelhaft. Aber wir appellieren an die Gersdorfer, doch mal die Augen offen zu halten. Aber Zivilcourage hat immer zwei Seiten. Man sollte auch nicht den Helden spielen, ein Anruf bei der Polizei ist meistens die sicherere Variante.

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