Im Schubertgrund bleibt schwere Technik draußen

Heute würden tiefe Furchen den Waldboden durchziehen, hätten Naturschützer im Schubertgrund nicht schwer geschuftet. Sie pflegen den geschützten Wald - und erhalten selbst totes Holz.

Lichtenstein.

Stark verdichteter Waldboden für viele Jahre sowie tiefe Furchen in den Waldwegen, die die Reifen der Harvester, Rücketechnik und schweren Holztransporter hinterlassen. Nichts davon ist im Lichtensteiner Schubertgrund zu sehen. "Doch genau das wäre passiert", sagt Margret Friedrich, Chefin der 2017 gegründeten Ortsgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Lichtenstein.

Damals standen die Pläne fest: "Das Durchforsten war dringend notwendig", sagt Revierförsterin Janina Albrecht. Auf 12,6 Hektar stehen vor allem sehr alte Bäume. Stieleichen und Bergahorn sind im Durchschnitt 120 Jahre alt, Rotbuche und Spitzahorn knapp über 100 Jahre. "Wir müssen der Verkehrssicherungspflicht nachkommen. Das heißt, Gefahren, die von alten und kranken Bäumen ausgehen, beseitigen", sagt die Forstexpertin. Rund 600 Festmeter Holz wollten die Stadtväter aus dem Schubertgrund holen lassen und verkaufen, damit sich die Maßnahme refinanziert. "Natürlich wäre schwere Technik zum Einsatz gekommen", bestätigt die Revierförsterin.

Margret Friedrich schwante nichts Gutes. Wie viele andere Lichtensteiner geht sie zur Entspannung fast täglich mit Hündin Edda durch den Wald. Sie wollte sich gar nicht vorstellen, wie der als "geschützter Landschaftsbestandteil" eingestufte Wald nach dem massiven Eingriff mit der maschinellen Durchforstung aussehen würde. Sie zog damals die Notbremse, gründete die Ortsgruppe Lichtenstein des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), um die Pflege des Waldes in Eigenregie zu nehmen. Der Spendenaufruf stieß bei den Bürgern auf enorme Resonanz. Rund 10.000 Euro kamen zusammen. 19.000 Euro beantragte der BUND beim Freistaat Sachsen, um eine sanfte Durchforstung zu finanzieren. Das Geld kommt aus dem "Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum im Freistaat Sachsen". Dabei ging es auch um den Erhalt alter Bäume. "Zum Teil haben das Baumkletterer in mühevoller Handarbeit erledigt", sagt Janina Albrecht. Insgesamt 120 Bäume wurden entweder gefällt und so eingekürzt, dass sie als Totholz Brutmöglichkeiten für Specht und Co. bieten. "Kein Baum wurde aus dem Wald gebracht, so gibt es auch keine zerfahrenen Wege", sagt Margret Friedrich. Die gefällten Bäume bleiben liegen, dienen Pilzen, Moosen und Flechten als Nahrung, Insekten und Kleingetier als Schutz.

Schützenswertes gibt es genug im Schubertgrund. Allein 36 Vogelarten bescheinigt ein Gutachten. Darunter Fitis, die Gartengrasmücke, Trauerschnäpper und Waldlaubsänger, die allesamt auf der sächsischen Vorwarnliste für gefährdete Arten stehen. Aber auch streng geschützte Vögel wie Mäusebussard, Grünspecht, Waldkauz und Eisvogel haben im Schubertgrund ihren Lebensraum.

Bis auf kleinere Restarbeiten ist zwei Jahre nach der BUND-Initiative die Durchforstung abgeschlossen. "Für uns und alle Lichtensteiner Naturfreunde ein Riesenerfolg", sagt Margret Friedrich.

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