Immer mehr Gärten warten auf einen Pächter

Der Territorialverband Hohenstein-Ernstthal der Kleingärtner beklagt seit Jahren Schwund bei seinen Pächtern. Derzeit stehen 347 von 2600 Gärten leer.

Hohenstein-Ernstthal.

Für die Kleingartenanlage "Naturfreunde" auf dem Hohenstein-Ernstthaler Pfaffenberg ist das Jahr 2018 ein Rekordjahr. Allerdings verbuchen die Gartenfreunde einen Negativrekord. "Wir hatten noch nie so viele leer stehende Gärten", klagt Vereinschef Roland Müller. Sieben von 59 Gärten sind momentan unverpachtet. Das entspricht 11,8 Prozent Leerstand.

Damit liegen die Naturfreunde durchaus im Trend des Territorialverbandes Hohenstein-Ernstthal der Kleingärtner. Der Verband kümmert sich derzeit um 67 Kleingartenanlagen in Hohenstein-Ernstthal, Lichtenstein, Oberlungwitz, Gersdorf, St. Egidien, Bernsdorf und Callenberg. Unter dem Dach des Verbandes finden sich 2120 Pächter und 2600 Parzellen. Viele Gärten stehen leer, Tendenz steigend. Zu Beginn des Jahres 2018 waren 347 Parzellen ohne Pächter, das sind bereits 13 Prozent. Im Jahr zuvor waren es 335, das waren 12,8 Prozent. Weil im Vorjahr eine Anlage aufgelöst wurde, verzerren die Zahlen allerdings das Bild etwas. Das ändert aber nichts am generellen Abwärtstrend. "Seit Jahren erhöht sich auch bei uns der Leerstand. Schauen wir ein paar Jahre zurück. 2011 standen in unserem Territorialverband noch 130 bis 140 Gärten leer, jetzt 347, das sagt alles. Aber da sind wir keine Ausnahme. Dieser Trend ist bundesweit zu beobachten", sagt Verbandsgeschäftsführer Jochen Thurow.

"Der Hauptgrund, warum Kleingärtner ihre Parzelle aufgeben, ist das Alter und die damit verbundenen gesundheitlichen Probleme", weiß Anlagenchef Roland Müller. Das Durchschnittsalter der Spartenmitglieder liegt zurzeit etwa bei 64Jahren. Der Vereinschef zählt selbst schon 69 Lenze und ist nicht mehr hundertprozentig fit. Er ist immer auf der Suche nach Interessenten. "Natürlich freuen wir uns besonders auf junge Familien. Aber jeder, der Lust am Gärtnern hat und die Geselligkeit mag, ist bei uns willkommen. Es ist ein wunderschönes Hobby. Es ist schade, dass immer weniger Leute Gefallen am Kleingarten finden", bedauert Roland Müller.

Für den Vorstand bedeutet der hohe Leerstand eine ordentliche Portion Mehrarbeit. Bei den Arbeitseinsätzen, die eigentlich für den Erhalt der Wege und der Gemeinschaftsanlagen genutzt werden sollen, müssen immer Kapazitäten auch darauf verwendet werden, die leer stehenden Gärten nicht ganz verwildern zu lassen. "Wer pachtet schon einen völlig verwilderte Parzelle?" sagt Müller. Es gebe Gärten, die würden schon seit drei Jahren nicht mehr bewirtschaftet.

Müller hofft nun wieder auf eine jährliche werbeträchtige Aktion. Die Gartenanlage "Naturfreunde", deren Ursprung bis ins Jahr 1884 zurück reicht, feiert einmal im Jahr Gartenfest. Das zieht jede Menge Besucher an. Am Wochenende 4./5.August geht es auf der Festwiese wieder rund. "Vielleicht kommt dort der eine oder andere auf den Geschmack", sagt Müller.

Mehr Informationen gibt es bei Roland Müller unter Ruf 4115895.

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