Ist Heinrichsort ein Kiffer-Dorf?

Das riecht nach einem Problem: Vorsteherin Annett Richter hat für die Sitzung des Ortschafts- rates einen Drogenbericht für ihren Ortsteil angekündigt. Das wirft Fragen auf.

Annett Richter sagt es deutlich: "Ich habe das Drogen-Thema nicht umsonst auf die Tagesordnung gesetzt." Ja, auf dem Dorf wird gekifft. In den Wäldern rund um Heinrichsort gebe es dafür eindeutige Hinweise.

Solche kennt Peter Schwemmer. Dem 73-jährigen Rödlitzer gehören 85 Hektar Wald, davon ein paar auf Heinrichsorter Flur. Er redet nicht groß um das Problem herum. "Ich hab' schon ein paarmal solches Gelumpe wegräumen müssen", sagt er. Gelumpe? "Überreste von verbranntem Cannabis, so grünliches Zeug", ist er sich sicher. Das Zeug und dazugehörige Rauchutensilien habe er auf oder rund um seine Jagdkanzel in der Nähe des Sportplatzes gefunden. "Das geht schon seit mindestens einem Jahr so", sagt er. Vor Kurzem habe er ein paar der Kiffer gesehen. "Drei Jungs, Zwölfjährige." Seine Tochter habe die gekannt. Ja, die Eltern habe er deswegen angesprochen, sagt Schwemmer. Ein Vater sei bei ihm gewesen, habe sich bedankt. Klar, der Hochsitz sei auch geradezu gemacht für solche Aktivitäten. Von da habe man einen guten Überblick, kann sich schnell wegducken. "Vielleicht wäre mir das gar nicht so aufgefallen, wenn die nicht ihr halb gerauchtes Zeug dort liegengelassen hätten", so der Rödlitzer.

Bei der Ortschefin jedenfalls haben die Alarmglocken geläutet. "Da reden wir auf dem Dorf von 'heiler Welt'." Ein Irrtum, wie sie jetzt weiß. "Natürlich ist es nicht so, dass es schlimmer ist als anderswo. Aber es stimmt eben auch nicht, dass nichts ist." Jedenfalls will sie das Problem nicht unter den Tisch fallen lassen. "Das sind unsere Kinder. Wir müssen uns darum kümmern", begründet sie noch einmal den avisierten Drogenbericht für Heinrichsort.

An ihrer Seite weiß sie Christoph Ullmann. Der 59-Jährige arbeitet seit 26 Jahren für das Blaue Kreuz in Westsachsen als Streetworker. Hat in dieser Zeit Tausende junge Leute betreut. Aus der Nazi- und Drogenszene, Alkoholiker, und und und ... Es sei richtig, das Annett Richter versucht, die Einwohner für die Probleme der Jugend zu sensibilisieren. "Es sei besorgniserregend, dass in den Altersgruppen von elf bis 17 Jahren die Kifferei extrem zugenommen hat. Mit Zahlen dazu halte er sich zurück. "Die glaubt mir eh keiner. Und Politiker sagen, ich würde übertreiben." Aber es sei richtig, zu sagen: Im Landkreis gibt es eine epidemische Ausbreitung von Suchtmitteln. Ja, auch im ländlichen Raum, so Ullmann. Der Unterschied zur Stadt sei da gar nicht mehr so groß. Die Beutelchen, ob mit Cannabis oder Crystal, ließen sich inzwischen überall beschaffen. "Am Lichtensteiner Bahnhof etwa oder am Neumarkt in Zwickau kriegt man immer was." Und es seien längst nicht mehr "nur paar Assis", die Drogen konsumieren. "Das Problem ist in der gehobenen Mittelschicht angekommen." Und werde zunehmend akzeptiert - etwa als Mittel zur Leistungssteigerung. Die Gesellschaft schaut weg. "Das fällt unseren Kindern auf die Füße", sagt Ullmann. Der Streetworker wird zum Tagesordnungspunkt "Drogen in Heinrichsort" sprechen.

Der Ortschaftsrat tagt am Donnerstag ab 19 Uhr im Mehrzweckraum der Feuerwehr.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...