Karl-May-Haus: Fraktionschefs zoffen sich

OB Lars Kluge verkündete dem Stadtrat eine gute Nachricht: Das Geld für den Erweiterungsbau an das Geburtshaus des Schriftstellers kommt. Danach gab es ein Wortgefecht zwischen Linkspartei und CDU.

Hohenstein-Ernstthal.

Der geplante Erweiterungsbau an das Geburtshaus des Schriftstellers Karl May (1842 bis 1912) in Hohenstein-Ernstthal ist immer für einen kleinen Eklat gut. Die Debatte zu dem geplanten Großprojekt während der Stadtratssitzung am Dienstag mündete in einem skurrilen Streitgespräch zwischen CDU-Fraktionschef Dirk Trinks und dem Chef der Linksfraktion, Alexander Weiß.

Dabei hatte Oberbürgermeister Lars Kluge (CDU) kurz zuvor eine durchaus gute Nachricht verkündet: Das Geld für den Erweiterungsbau, das hauptsächlich als Depot für drei Indianer-Sammlungen dienen soll, kommt. Das Rathaus hat den entsprechenden Fördermittelbescheid erhalten. Der Bund steuert für den modernen Bau unterhalb des Neumarktes 900.000 Euro zu, das Land Sachsen immerhin 978.000 Euro. Die Gesamtkosten sollen sich auf 2,1 Millionen belaufen. Für die Stadt bleibt ein Eigenanteil von 240.000 Euro. Kluge lobte den hohen Fördermittel-Anteil: "Das ist ein großer Erfolg. Ich weiß nicht, wo Sie noch hinfahren wollen, um so viel zu bekommen. Das ist ein Riesenbatzen Geld, der hier in der Region ausgegeben wird." Seine Kritiker ließ er wissen: "Es ist ja Quatsch, wenn gesagt wird, wir wollen Konkurrenz zu anderen Karl-May-Stätten sein. Das wollen und können wir gar nicht."

Linkspartei-Fraktionschef Weiß kritisierte: "Ich bin ja gespannt, wo nun 10.000 Besucher im Jahr herkommen sollen. Und wie sich die Kosten entwickeln werden." Kaum hatte Weiß diese Worte gesagt, platzte CDU-Fraktionschef Trinks der Kragen. "Wenn wir alles infrage stellen, würden wir Menschen heute immer noch aus der Höhle schauen. Die Fördermittel, die wir akquiriert haben, sind ein großer Erfolg. Darauf gehe ich heute Abend ein Bier trinken. Ich weiß ja nicht, was Sie trinken, Herr Weiß, vermutlich Essig. Man kann nicht nur kritisieren." Mehrere Stadträte klatschten Beifall.

Der Linken-Stadtrat meldete sich nach dieser Rede noch einmal zu Wort, erwiderte trocken: "Na dann zum Wohl! Ich werde keinen Essig trinken. Die Linksfraktion war von Anfang an für eine Entwicklung des Areals am Karl-May-Haus. Ich finde Ihren Angriff sinnlos." Aber Weiß sagte auch, dass die Größenordnung des Projektes nicht akzeptabel sei. Noch einmal zu Trinks gewandt: "Man muss auch mal mit Kritik umgehen können."

Schon einmal gab es etwas Aufregung um das Projekt. Stadtrat Udo Zilly (Pro Hot) bezeichnete die Form, in der das Depot entstehen soll, während einer Stadtratsdebatte als Sarkophag und hatte heftige Diskussionen ausgelöst.

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