Keine neue Gedenkstätte am früheren KZ

Der Stadtrat von Hohenstein-Ernstthal erteilt der Linksfraktion wieder eine Absage - und stärkt damit auch die AfD.

Hohenstein-Ernstthal.

Es wird keine neue Gedenkstätte für die Opfer des KZ Außenlagers Flossenbürg in Hohenstein-Ernstthal geben. Das haben die Stadträte am Dienstag mit großer Mehrheit beschlossen und damit einen entsprechenden Antrag der Linksfraktion abgelehnt.

Erwartungsgemäß attackierte zuerst die AfD-Fraktion den Vorschlag der Linken scharf. Zwar räumte sie ein, dass es wichtig sei, Lehren aus der Geschichte zu ziehen. "Aber es ist doch nur der Versuch, wieder auf sich aufmerksam zu machen", sagte Fraktionschef Hartmut Pfau. Er warf der Linkspartei im Stadtrat von Hohenstein-Ernstthal zudem vor, wiederholt nur das Geld anderer Leute ausgeben zu wollen. Schließlich schickte AfD-Chef Pfau noch eine versteckte Drohung an den Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei, Alexander Weiß. Sinngemäß sagte Pfau, dass es durchaus zu Tumulten kommen könne, wenn er nicht aufhören würde, seine Partei beziehungsweise Fraktion anzugreifen.

Am unteren Eingang des Sportkomplexes, auf dessen Gelände sich früher das KZ befand, steht bereits - etwas versteckt - eine kleine Gedenktafel, die an die Opfer erinnert, die von hier aus im April 1945 auf einen Todesmarsch geschickt wurden. Für die Linkspartei ist dieser Standort aber nicht repräsentativ genug. Konkrete Vorstellungen, wie eine neue Gedenkstätte aussehen und wo sie genau stehen könnte, hatte sie allerdings noch nicht. Fraktionschef Weiß schlug vor, im Stadtrat und im Technischen Ausschuss eine Debatte darüber zu führen.

Aber es gab wieder eine klare Niederlage. Außer den vier Mitgliedern der Linksfraktion, die für ihren Antrag stimmten, waren fast alle Räte dagegen. Dabei bekam AfD-Chef Pfau Schützenhilfe von Dietmar Röder (SPD) und Gabriele Dreyer (CDU). Röder sagte: "Ich lehne den Antrag ab. Es ist besser, das Geld in soziale Projekte zu stecken." Dreyer argumentierte, dass ein Gedenken an diese Zeit zwar wichtig sei, man aber in den Schulen schon einiges dafür getan habe. Lediglich die Grünen-Stadträtin Heike Riedel enthielt sich der Stimme.


Kommentar: FatalesZeichen

Die Mehrheit des Stadtrates und der Oberbürgermeister haben bei der Abstimmung zu einer neuen Gedenkstätte am ehemaligen KZ in der Stadt wenig Fingerspitzengefühl gezeigt.

Da geht es erst einmal gar nicht darum, ob die Idee der Linksfraktion gut oder schlecht umzusetzen ist. Es geht um die Opfer eines Konzentrationslagers und um Verbrechen, die nicht von irgendwelchen Außerirdischen begangen wurden, sondern von Menschen aus unserer Mitte. Dass sich die Räte da nicht wenigstens zu einem Beschluss durchringen konnten, im kleineren Gremium darüber zu reden, was machbar ist und was nicht, das ist ein fatales Zeichen. Auf die Idee, sich von einer AfD abzugrenzen, deren Meinung zu bestimmten Dingen hinlänglich bekannt ist, kam leider auch kaum keiner.

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