Kinder üben sich bei der Vorlesung im Schwertkampf

Bei der Generationenuni im Schützenhaus ging es diesmal um das Thema Mittelalter. Für die Kleinen bedeutete das reichlich Action.

Hohenstein-Ernstthal.

Gegen Mitte der Vorlesung bittet Luca Kirchberger die Kinder, aufzustehen und nach vorne zu kommen. Es gilt, sich im mittelalterlichen Schwertkampf zu erproben. "Jeder sucht sich einen Partner", ruft die wissenschaftliche Mitarbeiterin von der TU Chemnitz. Doch Angst vor Verletzungen braucht hier keiner zu haben. Erstens sind die Klingen aus Kunststoff und zweitens gibt es nicht annähernd genug, um jedes Ritterpärchen auszustatten.

Kirchberger muss die Kinder nicht zweimal bitten. Nach wenigen Minuten stehen die Grüppchen voreinander und hauen mit imaginären Waffen aufeinander ein. Je nachdem ob der Schlag Richtung Kopf, Oberkörper oder Beinregion zielt, gibt es einen speziellen Kampfschrei. Der heißt entweder Ha, Ho, oder Hä.

"Mit Kindern arbeiten ist super entspannend", sagt Professor Christoph Fasbender nach Ende der Veranstaltung. Studenten seien da deutlich schwerer zu begeistern. Fasbenders Spezialgebiet heißt "Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit." Zusammen mit Luca Kirchberger hat der die Vorlesung im Schützenhaus gehalten. Weit über 40 Teilnehmer kamen, die meisten im Grundschulalter. Dass beinahe alle Stühle besetzt sind, ist bei Nachmittagsvorlesungen an der Uni keine Selbstverständlichkeit.

Doch wie passt der Titel der Vorlesung nun zu einer Übung im Schwertfechten? Wie Luca Kirchberger den Kindern kurz zuvor erklärt hatte, handelte es sich um eine Aufwärmübung, so wie man sie von Schauspielergruppen kennt. Denn am Ende der Vorlesung sollte eine Szene aus einem Stück gespielt werden, an dem Fasbender und Kirchberger mitgeschrieben hatten.

Die Geschichte dahinter aber ist schon über 600 Jahre alt. Ganz am Anfang tritt Fasbender vor die Kinder: "Es war einmal ein Ritter aus Weida in Thüringen." Dann fängt er an zu lesen: Es geht um ein kleines Mädchen. Ihr Vater, ein tapferer Ritter, ist beim König in Ungnade gefallen und musste in Gefängnis. Das Mädchen reist zum Hof des Königs. Sie will dem Vater helfen. Der König stellt ihr die Aufgabe, ein verwunschenes Kloster vom Spuk zu befreien. Viele Ritte hatten das zuvor versucht, keiner sei je zurückgekehrt. Das Mädchen bewältigt die Aufgabe schließlich und der Vater kommt frei. Als Wiedergutmachung wird er vom Monarchen in die Position des Vogtes von Thüringen erhoben und ist damit Stellvertreter des Königs.

Die Geschichte hatten Fasbender und seine Mitarbeiter in einer Leipziger Bibliothek entdeckt und aus der altdeutschen Sprache übersetzt. "Faszinierend dabei ist, dass ein kleines Mädchen Heldin der Geschichte ist." Das war damals nicht üblich, so der Professor.

Einen besonderen Stellenwert in der Geschichte haben die Vögte. Nach ihnen ist das Vogtland benannt worden. Und dort haben Fasbender und Kirchberger die Geschichte bereits mit Grundschülern aufgeführt. Hintergrund ist das EU-geförderte Projekt "Kulturweg der Vögte", bei dem die mittelalterlichen Hinterlassenschaften der Region ins Auge der Öffentlichkeit gerückt werden sollen.


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