Kirche lockt Besucher beim Denkmaltag

Sie ist alt, klein und hütet eine Menge Geheimnisse: die Abteikirche in Oberlungwitz. Ein Rätsel in der Kirche ist allerdings ganz aktuell - und hat mit hungrigen Holzwürmern zu tun.

Oberlungwitz.

Mit einem Alter von 270 Jahren ist die Abteikirche in Oberlungwitz eines der ältesten Gebäude in der Stadt. Ein solches Bauwerk sorgt natürlich für allerlei Herausforderungen bei der evangelischen Kirchgemeinde, die das Gotteshaus am Sonntag zum Tag des offenen Denkmals für Neugierige öffnete. Nach dem morgendlichen Gottesdienst gab es informative Rundgänge, bei denen beispielsweise erklärt wurde, warum ein weißes Bettlaken unter der Kanzel liegt. "Da wird der Schädlingsbefall geklärt", sagte Raphael Püschmann, der die erste Führung leitete. Der Holzwurm treibt offenbar in der Kanzel, die von einer Holzfigur von Mose getragen wird, sein Unwesen. Derzeit wird die Restaurierung vorbereitet.

Bauarbeiten gab es an dem Gotteshaus immer wieder, vor allem in der Nachwendezeit zwischen 1991 und 2001, als die kleine Kirche modernisiert wurde. "Bis 1990 gab es hier einen Kachelofen", berichtete Püschmann, der viele weitere interessante Fakten aus der Geschichte der Kirche berichten konnte. Vor ihrer Weihe im Jahr 1748 hatte an derselben Stelle eine kleinere Kapelle aus Holz gestanden, der Geschichte vermutlich bis ins 15. Jahrhundert zurückreichte. Eine Glocke aus dem Jahr 1525 hat es sogar zu einer besonderen Bedeutung gebracht. Sie sollte eigentlich 1888 eingeschmolzen werden, als die Gemeinde das Geläut erneuern wollte. Doch der Glockengießer bewahrte das schöne Stück auf und es kam später ins Germanische Nationalmuseum in Nürnberg, zu dessen Bestand sie noch heute gehört.

Außergewöhnlich ist auch die Kreuzbachorgel aus dem Jahr 1878, welche die einzige mit mechanischen Kegelladen in Sachsen ist. Drei Holzreliefs über dem Altarbereich zeigen Motive aus Bibelgeschichten. "Leider ist der Künstler nicht bekannt. Es soll ein Zwickauer gewesen sein", erzählte Raphael Püschmann.

Die Abteikirche, die 1985 schon einmal an die katholische Kirchgemeinde verkauft werden sollte, ist heute neben der großen Martinskirche das zweite Gotteshaus der evangelischen Kirchgemeinde von Oberlungwitz. Sie wird vor allem im Winter genutzt, weil sie sich einfacher heizen lässt. "Das ist eine Kostenfrage", sagte Püschmann mit Blick auf die steigende Zahl der Gottesdienst in der Abteikirche, wo sich auch Pfarrer Sebastian Ziera wohlfühlt. "Hier ist man näher zusammen", sagt er, betont aber, dass die Martinskirche weiter genutzt wird.

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