Kleine Läden prägten einst das Stadtbild

Geschäfte mit einem sehr speziellen und oft sehr eingeschränkten Sortiment waren in früheren Zeiten typisch für Hohenstein-Ernstthal. Davon ist heutzutage kaum etwas geblieben.

Hohenstein-Ernstthal.

Auf dem Gebiet des Handels hat sich in Hohenstein-Ernstthal ein gravierender Wandel vollzogen. In vielen Straßen der Stadt reihten sich die Geschäfte dicht aneinander. Ganze Straßenzüge beherbergten in den Erdgeschossen der Häuser kleine Läden mit meist eingeschränktem, speziellem Sortiment.

Ein Blick in die Schubertstraße. Die wies in den 1930er-Jahren mindestens 15 Geschäfte auf. Das begann auf der Bahnseite oberhalb des Fußgängertunnels mit dem Zigarrenladen von Bruno Hofmann, direkt daneben befand sich der Kolonialwarenladen von Hans Horn. Durch dessen Schaufenster war ein Blick ins Fischbecken mit lebenden Karpfen möglich. Es schloss sich ein Milchladen an. Dazwischen befanden sich immer wieder kleine Wohnhäuser. Direkt gegenüber der Einmündung der Schulstraße befand sich Schreibwaren-Pötschke, später Kreul. Die Bäckerei Töppel stand gleich nebenan. Im Haus Nummer 18 befand sich ein Laden für Bürsten und Seilerwaren. Daneben folgte ein Grünwaren- und Lebensmittelladen, noch weiter der Stellmacher Kolbe und ein Eisenwarenladen neben dem Wolf-Schmied und dem Friseur Karl Wolf. Dem Handelsgeschäft Stier folgten der Stellmacher Paul Schneeweiß, die Bäckerei Dost, die Textilwarenhandlung Scheiter bis hin zur Ecke Lungwitzer Straße mit Uhligs Kräutergewölbe, der späteren Drogerie Jost. Noch später zog dort das "Schubert" ein, in dem heute indische Speisen angeboten werden. Das alles befand sich nur auf der Südseite der Schubertstraße, ähnliche Häuser- und Geschäftszeilen durchzogen die ganze Stadt. Geblieben sind nur ganz wenige dieser Handelsgeschäfte.


In den 30er-Jahren verzeichnete man noch mehr als 25 einzelne Lebensmittelhandlungen, die oft unter der Bezeichnung Kolonialwarenladen firmierten. Dazu gehörten unter anderem Baumgärtel, Bohne, Pitschel, Layritz, Lippmann, Lippold, Major, Schneider, Wagner und Wetzel. Bis in die 50er-/60er-Jahre haben sich noch viele dieser Geschäfte erhalten, teilweise kamen sogar neue hinzu. Es ist einfach erstaunlich, wie diese Läden mit einem stark eingeschränkten Sortiment teils über Jahrzehnte überleben konnten wie zum Beispiel der Milchladen Kutsche auf der Hüttengrundstraße. Dort gab es nur Milch, Quark, Butter und Eier. Das war alles. Mit einem ähnlichen Sortiment wartete Wilhelm Lässig am Neumarkt auf, der es sogar zu einem angesehenen Geschäftsmann brachte. Er betrieb den Laden als Butterhandlung. Ein analoges Geschäft gab es auch in dem heute nicht mehr existierenden Haus Altmarkt 28, den Butter-Einenkel.

Ein erwähnenswertes Geschäft im Haus Altmarkt 23 war Gerbers Wild-, Geflügel-, lebende Seefischhandlung, die auch Obst, Südfrüchte und Delikatessen offerierte. Ein weiterer markanter Lebensmittel- laden befand sich im Haus Dresdner Straße 34, wo 1979 die Kleine Galerie einzog. Frischen Seefisch - das Pfund für 90 Pfennige - hatten die Hosemanns im Angebot, weiter Schweineschmalz (ein Pfund für 80Pfennige) und Sauerkraut für 25 Pfennige.

Ein Lebensmittelgeschäft, das sich bis in die tiefe DDR-Zeit hielt, war das Zimmermannsche an der Friedrich-Engels-Straße mit einem breiten Sortiment auf engstem Raum. Es gab frische Gewichtseier, Flaschenbier, Limonade, Selters, Rotkohl, junge Erbsen, Möhren, Feinfrost, Apfelmus, Petersilie, Quarkstrudel, Eis und vieles andere mehr. Alles ging in bunter Mischung über den kleinen Ladentisch. Und in der Weihnachtszeit konnte man dort seinen Mohn malen lassen.

Unendlich viel mehr ließe sich über den Handel durch kleine Privatgeschäfte in Hohenstein-Ernstthal berichten, der heute in dieser Form nur in Rudimenten auf ausgewählten Straßenabschnitten fortbesteht.

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