Kräuter, Möhren und Tomaten - Hof am Pfarrgrund startet durch

Nach dem Umbau des Waldenburger Vierseithofes kommt die Landwirtschaft in Gang. Der Betrieb arbeitet biologisch und setzt auf Gemüse, Kräuter und Beeren. Davon profitiert nicht nur die Küche des Lebenshilfewerkes.

Waldenburg.

Die Zucchini wächst wie verrückt und auch die Tomaten sowie die Möhren sehen gut aus, die Kohlköpfe jedoch haben etwas gelitten unter der Trockenheit der letzten Wochen. Auf den Beeten hinter dem Vierseithof am Pfarrgrund in Waldenburg, für die Daniel Pistorius zuständig ist, sind ganz verschiedene Gemüse angebaut. Fenchel findet man dort ebenso wie Gurken. Und in Zukunft wird die Palette noch größer. "Wir stehen hier erst am Anfang, es gibt noch genügend Möglichkeiten", sagt Pistorius, der den zum Lebenshilfewerk Hohenstein-Ernstthal gehörenden Landwirtschaftsbetrieb führt und die Garten- und Landschaftsgruppe des Vereins anleitet. Demnächst wird noch ein knapper halber Hektar Wiese zur Beetfläche umgearbeitet, auf der ebenfalls Gemüse oder Obst wachsen soll. Zwiebeln zum Beispiel. "Eventuell auch Spargel oder Erdbeeren", sagt der 36-Jährige.

Die Lebenshilfe hatte den Hof gekauft und zu einem Wohn- und Arbeitsort für Menschen mit Behinderung ausgebaut. Vor gut zwei Jahren konnte Pistorius mit seiner Familie einziehen. Seit einem Jahr ist auch das Wohnhaus für Menschen mit Handicap fertig. Vier der fünf Wohneinheiten sind belegt. Auch der Gruppenraum der Grünpflegetruppe hat in dem komplett sanierten Haus Platz gefunden.

Und die Landwirtschaft? Die läuft inzwischen. Pistorius ist Herr über 5,5 Hektar Fläche, dazu gehören auch eine Aronia-Plantage sowie ein Kartoffelfeld in Langenchursdorf. In Waldenburg stehen noch diverse Beerensträucher: Josta-, Johannis, Stachel-, Heidel- und Himbeeren. Zudem kann Pistorius hier zwei Gewächshäuser nutzen. Kräuterbeete und über 30 Obstbäume alter Sorten sowie 50 Gänse und ein paar Kaninchen ergänzen das Portfolio.

Seit Mai 2017 befindet sich der Hof in der Umstellung zum Bio-Betrieb, die zwei Jahre dauert. Danach werden die Produkte das Siegel des Anbauverbandes Bioland tragen. Für den studierten Agrarwirtschafter ist der Schritt hin zum Ökolandbau eine Selbstverständlichkeit. Denn Pistorius hatte in den Jahren zuvor bereits einen Biohof gepachtet und betrieben. 2009 zog es ihn von Callenberg nach Oberkärnten, weil er zu Hause keine passende Arbeitsstätte fand. Er habe immer einen Bauernhof bewirtschaften wollen. Den fand er schließlich in Österreich. Doch für die Familie stand fest: Wenn die Kinder in die Schule kommen, sollte es wieder zurückgehen nach Deutschland. Nun ist Waldenburg ihr Lebensmittelpunkt geworden.

Die Arbeit auf dem Hof in Waldenburg ist allerdings nicht vergleichbar mit der auf dem Biogut in Österreich. Pistorius muss bei der Bewirtschaftung schließlich die zwölf Mitarbeiter der Lebenshilfe-Gartentruppe mit einbinden. "Das müssen Sachen sein, die adaptierbar sind für die Mitarbeiter. Im Idealfall soll jeder mitmachen können: Pflanzen, Unkraut jäten, ernten, wiegen, verpacken, Säfte pressen - alles, was weitgehend in Handarbeit möglich ist", erklärt Pistorius. Die Produkte gehen in erster Linie in die Küche der Lebenshilfewerkstatt. Außerdem wird der CAP-Markt in Oberlungwitz beliefert. Später, wenn sich alles eingespielt hat und auch die entsprechenden Mengen da sind, kann sich Pistorius auch vorstellen, "nach außen zu gehen" und Läden in der Region zu beliefern.

Ein Anfang ist schon gemacht: Der Bio- und Naturprodukteladen in Remse wird schon seit einigen Wochen regelmäßig bedient. Inhaberin Elke Schnabel ist sichtlich zufrieden. Gerade hat sie eine Ladung Gurken, Tomaten, Möhren und Zucchini bekommen. "Das sieht sehr gut aus und ist frisch geerntet", sagt sie. Es werde von den Kunden gut angenommen - auch wenn noch kein Biosiegel draufklebe.

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