Kranker Rentner kämpft um Stellplatz vorm Haus

In Lichtenstein gibt es Zoff um einen Pkw-Stellplatz. Ein Mieter fühlt sich benachteiligt. Der Großvermieter lenkt nun ein.

Lichtenstein.

Als Heinz Albani im Jahr 2017 das Angebot ins Haus flattert, dass er einen Stellplatz für sein Auto reservieren kann, zögert er nicht lange. Im darauffolgenden Jahr soll er den schon nutzen können. Denn: Die Wohnungsgenossenschaft Lichtenstein hat dem Parknotstand den Kampf erklärt und im Wohngebiet an der Straße des Friedens 31 Stellplätze bauen lassen. Mieter der Wohnungsgenossenschaft können die Flächen für moderate 13 Euro pro Monat pachten. Heinz Albani fieberte dem Tag regelrecht entgegen. Er wohnt in der Straße des Friedens 3b. Seine Garage am Jahnsportplatz liegt rund einen Kilometer weit entfernt. Der Weg dorthin wird für den 77-Jährigen immer beschwerlicher. "Mein Vater hat drei Beipässe, einen implantierten Defibrillator und in der Halsschlagader einen Stent", sagt Marco Albani. Der 51-Jährige weiß, dass dem Vater beim Laufen schon nach wenigen Metern die Luft knapp wird. Der Stellplatz vorm Haus wäre für ihn eine erhebliche Erleichterung. "Meine Eltern fahren ja nur noch zum Einkaufen und zum Arzt mit dem Auto", sagt der Sohn.

Doch der Bescheid von der Genossenschaft bringt ein böses Erwachen. Heinz Albani soll keinen der neugebauten Stellplätze direkt vor dem Haus bekommen, sondern einen, der rund 300 Meter weit weg liegt. Der angebotene Stellplatz befindet sich am Haus 11 a bis c. "Für junge Leute ist die Strecke zum Stellplatz kein Problem, aber für einen Mann mit diesem Gesundheitszustand schon", sagt Marco Albani. Der Gesundheitszustand von Heinz Albani spielte bei der Vergabe aber keine Rolle. Für die 31 neuen Stellplätze gab es rund 50 Bewerber. "Das war abzusehen. Die Leute wissen nicht, wohin mit ihren Autos. Wir wollen unsere Mieter aber halten. Wir haben uns dann auf Vergabekriterien verständigt", sagt Vorstand Denny Barthel. Damit es gerecht zugeht, hat die Genossenschaft bei der Vergabe in der Reihenfolge des Posteingangs der Anträge die Stellflächen vergeben. "Mir hat man gesagt, dass er als Dritter seinen Antrag abgegeben hat. Heute heißt es auf einmal, er sei einer der Letzten gewesen", sagt Marco Albani. Dem sei nicht so, versichert Prokuristin Ingrid Pohl. "Die Unterlagen können bei uns eingesehen werden." Albani beklagt sich dennoch, fühlt sich hintangesetzt. Vorstand Denny Barthel bedauert das. "Aber jetzt einem anderen den Parkplatz wieder wegzunehmen, das geht auch nicht. Bei uns wohnen viele alte Menschen, die froh sind, dass sie einen Stellplatz direkt vorm Haus bekommen haben. Wenn jemand freiwillig tauscht, wäre das etwas anderes."

Den Stellplatz hat Albani inzwischen abgelehnt. "Ich habe ihn deswegen extra nochmal angerufen", sagt die Prokuristin. Vorstand Denny Barthel will das Problem mit seinem langjährigen Mieter aber zur beiderseitigen Zufriedenheit aus der Welt schaffen: "Wir bauen im nächsten Jahr weitere Stellflächen, zum Beispiel auch an der Straße des Friedens Nummer 5. Das ist nicht ganz so weit weg. Da setzen wir ihn ganz oben auf die Liste."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...