Kreditgeschäfte geraten ins Visier des Staatsanwalts

Die Prüfergebnisse zu den finanziellen Verbindlichkeiten des Zweckverbands Gewerbegebiete "Am Auersberg/Achat" werden von der Landesdirektion noch unter Verschluss gehalten. Ist das Dokument zu heiß geworden?

St. Egidien/Zwickau.

Sieben Monate haben die Prüfer der Landesdirektion Sachsen im vergangenen Jahr die Geschäfte innerhalb des Zweckverbands Gewerbegebiete "Am Auersberg/Achat" unter die Lupe genommen, die im Zusammenhang mit den zwischen 1991 und 1998 aufgenommenen Krediten stehen. Die Verbandsmitglieder Lichtenstein und St. Egidien streiten sich seit Jahren, wer dafür aufkommen muss. Uneins sind sich beide vor allem darüber, ob ursprünglich durch Lichtenstein aufgenommene und später dem Verband übertragene Darlehen tatsächlich - wie erforderlich - für Investitionen im Zweckverbandsgebiet verwendet worden sind. Entsprechend mit Spannung wird jener Prüfvermerk der Dresdener Verwaltungsbehörde erwartet. Immerhin kursierte im Vorfeld die Summe von bis zu 17 Millionen Euro, die dem Zweckverband von Seiten der Stadt zustehen sollten. Bei einer öffentlichen Verbandsversammlung sollte das Dokument vorgestellt und erläutert werden. Aber es kam anders.

Der beauftragte Verbandsvorsitzende Jan Richter erklärte, dass die Unterlagen bislang nicht zur Verfügung stehen, der Tagesordnungspunkt deshalb gestrichen werden müsse. Die Begründung dafür überließ Richter dem Abteilungsleiter in der Landesdirektion, Helmut Koller. Der gab sich wortkarg, bezeichnete das Prüfungsergebnis als noch nicht abgestimmte, verwaltungsinterne Angelegenheit. "Es gibt einige Punkte mit dem Innenministerium zu klären", so Koller. St. Egidiens Bürgermeister Uwe Redlich war weniger zurückhaltend. "Der Prüfbericht hat 18,5 Seiten", offenbarte er detaillierte Kenntnisse der "internen Angelegenheit". Und wurde dann deutlich: "Das ist ein Dokument der Vertuschung." Redlich spricht unter anderem von zwei Jahrzehnten Machtmissbrauch durch den damaligen Verbandsvorsitzenden Wolfgang Sedner und von möglicherweise jahrelangem Versagen der Kommunalaufsicht im Landratsamt. Das müsse aufgearbeitet werden. Lichtensteins Altbürgermeister und frühere Verbandschef Sedner gab sich gestern gelassen. "Mir sind in den letzten 20 Jahren während meiner Amtsführung schon massive Ungereimtheiten angedichtet worden. Die haben sich alle zerschlagen. Auch dieser Vorwurf wird sich keinesfalls halten lassen."

Darauf Antwort finden muss nun die Justiz. Denn Uwe Redlich hat Anzeige erstattet. Gegen Unbekannt. Vorwurf: Untreue. Das bestätigte der Zwickauer Staatsanwalt Gerd Veith. Ob sich freilich tatsächlich eine strafrechtliche Relevanz ergibt, wisse er noch nicht. Da wolle er sich auch nicht aus dem Fenster lehnen. "Hier geht es um eine Chronologie über 20 Jahre", sagte er. Im Moment müsse er eine Menge Unterlagen sichten, die vor allem im Zusammenhang mit der Gründung des Zweckverbands, seinen Aufgaben, Ausgaben und Kreditaufnahmen stehen. Und mit dem Schuldenberg, den der Verband mittlerweile hinterlassen hat. In zwei Monaten wohl werde er sich durchgearbeitet haben. "Frühestens", so Gerd Veith.

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