Kreisbrandmeister hat eine ungewöhnliche Sammlung

Im Feuerwehrtechnischen Zentrum Wilkau-Haßlau hat der Kreis-Feuerwehrchef Thomas Wende Dutzende Holzkeile zusammen getragen. Die Exponate zeugten von Verantwortungslosigkeit.

Wilkau-Haßlau.

Es ist genau genommen eine erschreckende Sammlung, die Kreisbrandmeister Thomas Wende über die Jahre zusammengetragen hat. Dabei sehen die kleinen Holzkeile auf den ersten Blick völlig harmlos aus. Aber: "Deren Einsatz ist alles anderes als ungefährlich, sondern zeugt von Verantwortungslosigkeit und Ignoranz. Sämtliche Keile dienten nur einem Zweck: Sie sollten Brandschutztüren offen halten", sagt Wende. Durch das Verkeilen der Tür wird deren Schutzfunktion außer Kraft gesetzt. Rauch und Feuer könnten sich dadurch in einem Brandfall ungehindert in den eigentlich durch die Tür zu schützenden Bereich ausbreiten, große Schäden anrichten und schlimmstenfalls auch Menschenleben gefährden.

Fast 100 Keile sind seit 1993 bei Brandschutzkontrollen sichergestellt worden. Viele davon waren offensichtlich ständig im Gebrauch. Davon zeugen die Schnüre und Bänder, an denen sie neben der jeweiligen Brandschutztür aufgehängt waren. "Wir haben alle Exemplare an Ort und Stelle eingezo- gen - selbstverständlich mit Zustimmung der Objekteigentümer, von denen übrigens kein einziger dagegen protestiert hat", sagt der Kreisbrandmeister. Die Ausreden, weshalb so ein Keil in die Brandschutztür geklemmt wurde, seien nicht sonderlich originell gewesen und hätten sich einander oft geglichen. Da war von Ausnahmen die Rede, um etwas rein oder raus zu tragen. Auch simples Lüften - natürlich nur für einen kurzen Augenblick - wurde als Entschuldigung angeführt. "Wenn die Keile schon an einer Kette oder Gummibändern neben der jeweiligen Tür hängen, ist klar, dass sie regelmäßig und auch länger benutzt wurden, ob nun aus Bequemlichkeit oder Nachlässigkeit spielt keine Rolle. Denn wenn etwas passiert, ist danach das Geschrei immer groß", sagt der Kreisbrandmeister.


Sämtliche der bei den Kontrollen durch das Brandschutzpersonal des Landkreises aufgefundenen Keile sind mit Ort und Datum des Auffindens beschriftet. Falsche Rücksichtnahme kennt Thomas Wende in diesem Zusammenhang nicht. Und daher befinden sich in der Galerie der Keile Namen wie das Kreiskrankenhaus Werdau, das Crimmitschauer Rathaus und die Schule in Bärenwalde. Aber auch Industriebetriebe wie Volkswagen in Mosel und die Sächsische Haustechnik Edki sind vertreten. Was Thomas Wende beim Betrachten der Sammlung besonders ärgert, ist die Tatsache, dass auf den Keilen auch Feuerwehrgerätehäuser verzeichnet sind. "Gerade von den Wehranghörigen hätte ich erwartet, dass sie sich der Bedeutung von Brandschutztüren bewusst sind. Solche Themen gehören regelmäßig zum Schulungsprogramm der Wehren."

Strafen müssen die ertappten Tür-Blockierer nicht befürchten. In der Hinsicht setzen Thomas Wende und seine Mitarbeiter auf Aufklärung und den gesunden Menschenverstand. Offensichtlich mit Erfolg. Denn speziell in den letzten Jahren kamen nur wenige neue Keile neu in die Sammlung. "Wenn die Leute begreifen, dass das von unserer Seite her keine Prinzipienreiterei ist, sondern ihrer und der Sicherheit der Rettungskräfte dient, haben wir unser Ziel erreicht", sagt Wende. Die Holzkeilsammlung will er einmal an seinen Amtsnachfolger weiterreichen - verbunden mit der Hoffnung, dass der nur ganz wenige neue Exemplare hinzufügen muss.

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