Künstler mit seltenem Werk: Skulptur am Zaun angewachsen

Danny Reinhold aus Lichtenstein hat etwas Außergewöhnliches geschaffen: Aus einem alten Baumstamm wurde ein mit Metall durchzogener Gekreuzigter. Der Preis ist noch ein Geheimnis.

Lichtenstein.

Für ungewöhnlich gewachsene Baumstämme hat Künstler Danny Reinhold aus Lichtenstein einen Blick. Deshalb weckte auch der Stamm einer Pappel an einem Getränkemarkt in seiner Heimatstadt das Interesse des 45-Jährigen. Der Stamm war über einen alten DDR-Eisengitterzaun gewachsen. Jetzt ist ein spektakuläres Kunstwerk daraus geworden.

"Die Rinde des Stammes hatte sich über den Zaun gelegt", erklärt der Künstler. Die Feuerwehr fällte den Baum im Rahmen einer Übung. Er gehörte der Stadt, das reichlich drei Meter breite Zaunfeld einem Getränkehandel. Beide hatten kein Problem damit, die ungewöhnliche Kombination von Holz und Metall Danny Reinhold zu überlassen.

Den ursprünglich rund 90 Zentimeter dicken Stamm bearbeitete Reinhold zunächst grob vor Ort. Doch der Transport sollte eine Herausforderung werden. Ein Autoanhänger war überfordert. Mit einer alten Schubkarre und viel Muskelkraft landete das zentnerschwere Teil im Grundstück des Künstlers.

Weitere maschinelle Bearbeitungen folgten, außerdem trocknete der Stamm nach und nach und wurde leichter. 2017 wurde er dann zusammen mit dem Zaun wieder per Karre zum Rosenfest gefahren - und dort begann Reinhold vor den Augen der Besucher, den Stamm auszuhöhlen und die Zellenstruktur zu erschaffen, die für seine Arbeiten typisch ist. Der Zaun sorgte dabei für Verwirrung. "Manche Leute dachten, das ist die Absperrung", erinnert sich Danny Reinhold. Doch wer genau hinschaut, erkennt, dass der Zaun untrennbar vom Holz umgeben ist.

Die Eisenprofile im Kunstwerk machten die Bearbeitung um einiges schwieriger, vor allem, als es um das Schleifen der dünnen Holzteile ging. Insgesamt besteht die Figur aus 390 Zellen, deren Streben einzeln per Hand geschliffen wurden. Allein das dauerte rund vier Wochen. Insgesamt stecken geschätzte 500 Stunden Arbeitszeit in dem Kunstwerk. Auch dem Zaun wurde dabei zu Leibe gerückt, denn er wurde auf eine Breite von 2,60 Meter verkürzt. Nur so wurde es möglich, dass Reinhold sein Werk auch in den Keller transportieren konnte, wo die Feinarbeiten und das Lackieren stattfanden.

Bei der langen und oftmals sehr monotonen Arbeit hat sich Danny Reinhold, der derzeit in der "Miniwelt" Lichtenstein arbeitet und früher im Daetz-Centrum als Gästeführer tätig war, nicht nur über seine Idee und ihre Tragweite gewundert. Er machte sich auch Gedanken über das Kunstwerk, das den Namen "Nature cruzified" erhielt, was soviel wie "gekreuzigte Natur" bedeutet. "Kreuzigung ist die schlimmste Folter, die man sich denken kann. Was der Mensch der Natur antut, ist genauso schlimm", sagt Reinhold. Das Eisen des Zaunes kreuzigte die feinen Strukturen des Holzes, das sich teilweise auch verfärbt hat. Doch die Arbeit zeigt auch, wie die Natur immer wieder Wege findet, sich gegen menschliche Einflüsse zu wehren. "Die Natur wird durch die Evolution Wege finden. Das Leben an sich wird weitergehen, ob mit Menschheit oder ohne. Es ist nicht auf sie angewiesen, umgekehrt schon", betont Reinhold.

Demnächst will der Lichtensteiner seine Arbeit beim traditionellen Holzkunstmarkt zeigen, der am 3. Oktober im Daetz-Centrum in Lichtenstein stattfindet. Vielleicht finden sich dort auch Leute, die Interesse daran haben, das seltene Kunstwerk zu kaufen. Allerdings: Aus dem Preis macht Danny Reinhold noch Geheimnis.

Der Künstler arbeitet derzeit schon an neuen, ebenfalls sehr ungewöhnlichen Projekten. Einen Einblick in sein Schaffen gewährt er auch im Internet.

www.thewoodenheart.de

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