Künstlerin verewigt den Ritus der Taufe in Glas und Blei

Baugebundene Kunst ist ihr Metier. Jetzt hat die Hohenstein-Ernstthaler Künstlerin Isolde Roßner das neue Bleiglasfenster für die Lichtensteiner Lutherkirche entworfen.

Hohenstein-Ernstthal/Lichtenstein.

Mehr als 60 baugebundene Projekte hat Isolde Roßner in ihrer Künstlerlaufbahn umgesetzt. Darunter solch beeindruckende Arbeiten wie die 36 Quadratmeter große Bleiglasfront im Bethlehemstift und das Fenster im Frontbereich des Hohenstein-Ernstthaler Rathauses. Die Fenster von fünf Friedhofskapellen tragen ihre Handschrift. Ebenso das prächtige Bleiglasfenster der Hohenstein-Ernstthaler Christophorikirche, zu dessen Weihe anlässlich des 250. Geburtstages des Gotteshauses auch der Bischof anreiste.

Ihre jüngste Arbeit ist nun in der Lichtensteiner Lutherkirche zu bestaunen. Seit Januar 2018 arbeitete die Künstlerin am Entwurf für das Bleiglasfenster, das sich direkt neben dem Ganzköper-Taufbecken befindet und thematisch den christlichen Ritus der Taufe widerspiegeln sollte. Den Auftrag bekam die Künstlerin aus gutem Grund. Ihre Bleiglasentwürfe sind bekannt. Und erst kürzlich brachte sich Isolde Roßner mit ihrer Ausstellung zu Holocaust-Opfern in der Lutherkirche in Erinnerung.

"Ich habe dann sehr lange darüber nachgedacht, wie ich das Thema Taufe umsetzen kann", sagt sie. Dafür verinnerlichte sie noch einmal die betreffende Passage im Neuen Testament. Im Johannes-Evangelium, Kapitel 1, Verse 29 bis 34 ist die Taufe beschrieben. Dort steht im Vers 32: "Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb." Isolde Roßner, selbst ein sehr gläubiger Mensch, ließ die Wünsche des Kirchenvorstandes in ihre drei Entwürfe einfließen. Die Symbolik der Taube, wie im Vers beschrieben, bekam ihren Platz in der rechten oberen Ecke des Fensters. Über die Farbgestaltung hat sich Isolde Roßner viele Gedanken gemacht. Statt kräftiger Kontraste dominieren nun weiche Übergänge. Abgestufte Farbnuancen in Orange und Blau geben der Darstellung eine ruhige Ausstrahlung. Was farblich zusammenpasst, wählt Isolde Roßner immer bei Tageslicht aus. Ein Riesensortiment aus Glasproben von der Glashütte Lamberts im oberpfälzischen Waldsassen hat sie zur Auswahl. Die kleinen Entwürfe projiziert sie am Ende des Schaffensprozesses mit einem Overhead-Projektor auf Papier in Originalabmessungen. Das muss dann der Glaser umsetzen. Und sie gesteht: "Mit meinen Sonderwünschen nach verschieden starken Bleiruten, auch eckigen oder großteiligen Glassegmenten bereite ich dem Glasermeister mitunter Kopfzerbrechen." Glücklicherweise seien beide Profis und arbeiten seit 35Jahren zusammen.

Das Taufbecken selbst hat die Form eines Kreuzes. Auch in das Bleiglasfenster baute die Künstlerin diese Symbolik ein, aber ein hölzernes Kreuz. Nicht nur, weil es sich dabei um das Hauptsinnzeichen des Christentums handelt. Es hat auch eine ganz praktische Funktion. Es gibt dem 1,30 mal 1,50 Meter großen Fenster Stabilität.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...