Laubenpieper beleidigt Gartennachbar per Handy

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Eine bösartige Whatsapp-Nachricht bringt einen Kleingärtner aus Limbach-Oberfrohna vor Gericht. Der Angeklagte fühlt sich im Recht.

Hohenstein-Ernstthal.

Eigentlich scheint der Mann auf der Anklagebank in normalen Verhältnissen zu leben, mit Frau und Kindern, einen Job hat der Limbach-Oberfrohnaer auch. Welcher Teufel ihn geritten hat, seinem Gartennachbarn eine bösartige Whatsapp zu schicken, weiß der Kuckuck. Die brachte ihn auf die Anklagebank. Staatsanwalt Ansgar Orlik warf dem 27-Jährigen Beleidigung und Bedrohung vor.

Dabei hatte der Angeklagte noch Glück, dass ihm das Gericht nicht Verleumdung anlastete. "Was Sie da geschrieben haben, ist nämlich ganz starker Tobak", sagte Richter Manfred Weber. Was die Akte offenbarte, waren schwere Anschuldigungen. In einer zornigen Whatsapp hatte der Mann den Nachbarn als "Kinderficker" beschimpft und ihm vorgeworfen, eine Minderjährige vergewaltigt zu haben. Außerdem drohte er dem Gartennachbarn Prügel an. Der zeigte seinen Widersacher an.

Als Grund für diese verbale Attacke nannte der Angeklagte ständigen Krach und Kindergeschrei im Nachbargarten. "Woher nehmen Sie denn dieses Wissen von der Vergewaltigung?", wollte Richter Weber wissen. Das wisse ja jeder, und er sei doch deswegen schon verurteilt worden, versicherte der Angeklagte.

Doch das konnte das Gericht widerlegen. Der Gartennachbar war wirklich schon einmal verurteilt worden, aber nicht wegen Vergewaltigung. Dessen Bundeszentralregisterauszug enthielt eine Verurteilung wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften. "Das ist ein erheblicher Unterschied", so Orlik.

"Wenn Sie etwas nicht genau wissen, dann können Sie nicht solche Behauptungen als Tatsachen hinstellen und diese auch noch verbreiten", so der Staatsanwalt. Richter Weber: "Man könnte das durchaus auch als Verleumdung aburteilen, dann wird es teurer." Darauf wollte es der Staatsanwalt gar nicht ankommen lassen.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Angeklagte wegen Beleidigung vor Gericht steht. Knapp ein Dutzend Vorstrafen stehen für ihn im Bundeszentralregister. "Ich habe den Eindruck, bei Ihnen kommen die Worte schneller aus dem Mund als Gary Cooper in 'Zwölf Uhr mittags' geschossen hat. Sie sollten erst dreimal tief einatmen, bevor Sie reden oder Nachrichten schreiben, wenn Ihnen mal etwas gegen den Strich geht", so Richter Weber.

In Jugendjahren zeigte sich Justitia gegenüber dem Angeklagten mehrmals gnädig und verzichtete auf die Strafverfolgung. Doch ab 2011 wurden die Delikte heftiger: Nötigung, gefährliche Körperverletzung, Erpressung und immer wieder Beleidigung. Auch Jugendhaft musste er schon absitzen. Als er die Geschichte mit der WhatsApp produzierte, stand er noch unter Bewährung. So kam zumindest eine Geldstrafe nicht mehr infrage.

Das Gericht verurteilte den Mann zu zwei Monaten Haft bei zwei Jahren Bewährung. Außerdem bekommt er einen Bewährungshelfer und muss 100 Euro an den Kinderschutzbund zahlen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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