Lichtenstein: Briefmarken- und Münzhandel gibt es seit 50 Jahren

Grit Streubel spürt in ihrem Geschäft die Veränderungen, die die Zeit mit sich bringt. Ein altes Hobby stirbt langsam aus: das Briefmarkensammeln. Dafür setzen die Sammler mehr auf Edelmetall.

Lichtenstein.

Der Wandel der Zeiten lässt sich an vielen Dingen festmachen, an großen und an kleinen. Kein Mensch gibt heute zum Beispiel noch ein Telegramm auf, obwohl man das tatsächlich noch könnte, wenn man es wöllte. Und immer weniger Leute verschicken noch richtige Briefe oder Postkarten. Was auch zur Folge hat: Die gute, alte Briefmarke verschwindet immer mehr aus der öffentlichen Wahrnehmung. "Deshalb ist auch das Briefmarkensammeln etwas aus der Mode gekommen", sagt Grit Streubel (50) aus Lichtenstein.

Die Frau ist Inhaberin eines Fachgeschäftes für Briefmarken und Münzen in Lichtenstein. Am Sonntag feiert der Laden in der Ernst-Thälmann-Straße seinen 50. Geburtstag. Grit Streubel spürt den Wandel der Zeit. In ihrem direkten Umfeld in Lichtenstein macht immer wieder mal ein Geschäft dicht. Zuletzt hat auch noch das Puppen- und Spielzeugmuseum zugemacht. Ihren Fachhandel gibt es immer noch. Auch wenn sie immer weniger Briefmarken verkauft. "Vielleicht nur noch 20 Prozent", sagt Grit Streubel. "Die anderen 80 Prozent sind Münzen."

Als vor 50 Jahren alles anfing, sah es genau andersherum aus. Ihr Vater Johann Meder, der heute 83 ist, eröffnete 1968 das Geschäft an seinem heutigen Standort. Seine große Leidenschaft war eine Spezies, die heute vom Aussterben bedroht ist: die Briefmarken. Die vom damaligen Lichtensteiner Bürgermeister Schreier unterzeichnete "Gewerbeerlaubnis zum Briefmarken-Versand und Handel" hat er sorgfältig aufbewahrt. Für diese Erlaubnis musste er eine Gebühr von 100 Mark bezahlen. "Zugespitzt formuliert, hat in der DDR fast jeder Briefmarken gesammelt", erinnert sich Johann Meder. Er hatte schon als achtjähriger Bengel damit angefangen. Durch die Marken lernte er die Welt kennen. So war der Laden sein kleines Paradies. Die Briefmarken bezog er vom staatlichen Großhandel. Nur Marken aus der Bundesrepublik durften nicht vertrieben werden. "Der Kalte Krieg", sagt Johann Meder. Dass sein Laden nie verstaatlicht wurde, war ein Wunder. Aber seltsame Leute hätten im Geschäft gestanden und nach Marken aus dem "Dritten Reich" gefragt . Hätte er welche gehabt und verkauft, wäre dass das Aus des Ladens gewesen. Briefmarken aus der NS-Zeit zu verkaufen, war strengstens verboten.

Nach der Wende schossen Geschäfte von Briefmarkenhändlern überall wie Pilze aus dem Boden. Viele haben längst wieder zugemacht, nachdem das Interesse an dem Hobby durch den Einzug der Computerspiele in die Kinderzimmer immer mehr nachgelassen hat. "Früher gab es im Kreis Hohenstein-Ernstthal acht Philatelisten-Gruppen. Eine ist bis heute übrig geblieben", sagt Johann Meder. Er ist etwas traurig. In vielleicht 20 Jahren ist die Briefmarke ganz ausgestorben, schätzt er.

Tochter Grit Streubel hält die Fahne hoch. Auch wenn sie heute überwiegend mit Münzen handelt. Sie hat rund 150 Stammkunden aus der ganzen Region. "Mein Credo ist, mit den Kunden so umzugehen, dass man ihnen auf der Straße noch in die Augen schauen kann", sagt sie. Am Sonntag (15 bis 18 Uhr) lädt sie aus Anlass des 50. Firmenjubiläums zu einem Glühwein ein.

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