Lichtenstein muss Abstriche bei Verwaltung machen

Die Stadt muss sparen, nun auch am Personal. Den Forderungen des Landkreises will man aber nur bedingt nachkommen.

Lichtenstein.

Egal ob es um ungeliebte Straßenausbaubeiträge in Heinrichsort, einen lang geplanten Hortanbau in Rödlitz oder um den Ersatzneubau der Kita Sonnenweg geht. Jede Entscheidung und jedes größere Vorhaben in Lichtenstein und den Ortschaften ist überschattet von einem hässlichen Wort - Haushaltsstrukturkonzept. Der wegen klammer Kassen vom Landkreis verordnete Sparzwang macht auch vor den Angestellten der Stadt keinen Halt.

Ab erstem Februar 2020 soll der Rotstift in den Schulen angesetzt werden. Das Sekretariat der Heinrich-von-Kleist-Oberschule wird dann wohl nur noch 20 Stunden besetzt sein - bislang waren es 28. Zumindest wenn es nach dem einstimmigen Wunsch des Stadtrates geht. Denn eigentlich sahen die Auflagen eine Halbierung der Arbeitszeit vor. "Doch dann könnten wir manche unserer Aufgaben nicht mehr so leisten wie bisher", sagt Bürgermeister Thomas Nordheim, der den Beschluss des Stadtrates mit dem Landkreis verhandeln muss. Da die derzeitige Schulsekretärin bald in Rente geht, werde es ohnehin keine Stellenstreichung geben.

Von den Kürzungen betroffen sind auch die Ortschaften. Hier will man die Arbeitszeiten ebenfalls nicht halbieren wie vom Landkreis gefordert. "Wir brauchen unsere Leute unbedingt", sagt Annett Richter (CDU). Die Heinrichsorter Ortsvorsteherin ärgert, dass immer mehr Arbeit mit immer weniger Leuten gestemmt werden müsse. Wenn etwa Feste oder Fackelzüge organisiert werden, heißt es, einen Haufen Papierkram zu bewältigen. "Von Jahr zu Jahr wird es mehr Bürokratie", sagt Richter. Um die künftige Belastung zu stemmen, sei eine sehr gute Organisation unabdingbar, sagt Lutz Weißpflug (SPD). Der Rödlitzer Ortsvorsteher hat sich daher mit seiner Kollegin aus Heinrichsort zusammengetan. Künftig soll nur noch ein Mitarbeiter für die Verwaltung der beiden Ortschaften und das Sekretariat der Grundschule Rödlitz zuständig sein. Die bisherige Sekretärin geht ab April in Rente, ihre Kollegin in Heinrichsort wechselt in die Bibliothek Lichtenstein. Ein Nachfolger wird noch gesucht. Er oder sie müsste dann alleine in 30 Stunden pro Woche das schaffen, was die zwei Vorgänger in 48 Stunden geleistet haben. Sollte der Landkreis jedoch auf der Halbierung der Arbeitszeit bestehen, wird es wohl noch enger werden.


Kommentar: Die falsche Medizin

Lichtenstein ist die einzige Kommune in der Gegend mit einem Haushaltsstrukturkonzept (HSK). Das hat Gründe. Den Bürgern dürfte aber kaum zu erklären sein, warum sie tausende Euro zahlen, wenn vor ihrem Haus die Straße erneuert wird, Oberlungwitzer oder Gersdorfer in der gleichen Situation aber "ungeschoren davonkommen" . Die Folgen des Personalabbaus im Rathaus dürften weniger offensichtlich sein. Doch auch hier gilt: Kaputtsparen ist die falsche Medizin. Besonders eine HSK- Kommune wie Lichtenstein braucht Personal, um handlungsfähig zu bleiben. Das weiß die Stadt und bietet einen Kompromiss an, der sogar zu einer Effizienzsteigerung führen könnte. Der Landkreis täte gut daran, dem zuzustimmen.

1Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 1
    0
    KTreppil
    16.11.2019

    Wenn man Lichtenstein vom sehen kennt, fragt man sich, warum gerade diese Stadt, klamme Kassen hat. Wo wurde denn da (fehl )investiert....?



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...