Lichtensteiner Kreuzung schreibt Stadtgeschichte

Kaum etwas hat die Entwicklung der Stadt so stark geprägt, wie der Knoten an der Großen Brücke. Das nächste Kapitel Stadthistorie soll dort im März beginnen.

Lichtenstein.

Der ehemalige Lichtensteiner Stadtchef Wolfgang Sedner bezeichnte den Neubau der Brücke über den Rödlitzbach inklusive Straße und Kreisverkehr an der S 255 als "Jahrhundertbaustelle". 7,5 Millionen Euro soll Lichtensteins teuerste Baustelle aller Zeiten kosten. Der Übergang an der Großen Brücke, wo die heutige Ernst-Thälmann-Straße, Hartensteiner Straße, Glauchauer Straße und die Innere Zwickauer Straße zusammenlaufen, ist sogar "ein Grund dafür gewesen, dass die Stadt vor über 800 Jahren entstand", sagte Anne-Sophie Berner, die Leiterin des Lichtensteiner Stadtmuseums.

60 Gäste haben sich am Samstag im Stadtmuseum zum Vortrag "Von der Furt zum Kreisverkehr: Wie sich die "Große Brücke" von Lichtenstein entwickelt" versammelt. Ehe Bürgermeister Thomas Nordheim (Freie Wähler) und Bauplaner Klaus Bodenschatz die Zukunftspläne für Lichtensteins wichtigste Kreuzung erklärten, warf die Museumsleiterin erst einen Blick in die Vergangenheit derjenigen Kreuzung, die eng mit der Stadtgeschichte verbunden ist. Bereits um das Jahr 1100 war Hochwasser ein wichtiges Thema im Ort: Pferdegespanne rollten mit Kleidung, Gewürzen und Vieh durch die Siedlung. "Aber Hochwasser konnte den Verkehr wochenlang aufhalten", erklärte Anne-Sophie Berner. Die Händler legten Rast vor dem Rödlitzbach ein und trugen so zur Stadtentwicklung bei.

Es war eine Zeit, in der Straßenzüge große Fußgängerzonen waren. Die Menschen mussten nur ab und zu mal Fuhrwerken ausweichen, nur hin und wieder kam jemand, um den Pferdemist von der Straße zu schaufeln. "Vor der Verbreitung des Automobils war die Straße immer ein Raum für Fußgänger und ein Sammelort für das gesellschaftliche Leben", sagte Anne-Sophie Berner. Die Stadt wuchs zusammen mit dem Handel und der Industrie in der Region. 1827 wurde eine Laterne an der Brücke aufgehängt - Kutschen ratterten mit Kohle aus Zwickau bis in die Nachtstunden über das Pflaster.

In den 1950er-Jahren kam eine markante Würfeluhr an die Straße (2004 abgebaut). 1968 entstanden eine Parkanlage und ein Terrassencafé, 1975 die erste Ampel. Eine Frage hat die Stadtoberhäupter und Architekten über Jahrhunderte immer wieder beschäftigt: Wäre es möglich, die Kreuzung zu einem großen Platz auszubauen? Mit prächtigem Rathaus und einer großen Fläche in der Mitte? Schon damals standen diesen Vorhaben einige Gebäude im Weg - und schon damals entfachte das Thema heftige Debatten. Am Ende blieb die Kreuzung immer eine Kreuzung. Im März 2017 wird sich das ändern: Ein Kreisverkehr kommt, die Brücke wandert ein Stück in Richtung Glauchau. Nachdem Hochwasser die Brücke 2013 beschädigt hatte.

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