Linke Bewegung: Vorfreude und Skepsis

Wie stehen Politiker aus dem Landkreis Zwickau zu Sahra Wagenknechts Sammlungsbewegung "Aufstehen"?

Zwickau.

Das Echo fällt geteilt aus. Zwar will die von Sahra Wagenknecht initiierte neue Plattform "Aufstehen" bundesweit das linke Lager einen, doch schon vor dem offiziellen Startschuss am 4. September gehen die Meinungen weit auseinander. Vertreter von SPD, Linken und Grünen im Kreis Zwickau sind sich nicht einig, was von der Bewegung zu erwarten ist.

Die linke Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann stellt sich hinter die Sammlungsbewegung. "Über Parteigrenzen hinweg wünschen sich Menschen soziale Gerechtigkeit. Sie wollen eine Gegenbewegung zum neoliberalen Sozialabbau", sagt Zimmermann. Als Beleg führt sie die Reaktionen auf die Kanzlerkandidatur von Martin Schulz an, welcher die Hoffnungen aber nicht habe erfüllen können. "Doch der Wunsch nach Wandel bleibt greifbar. Er lässt sich umsetzen, wenn er von einer breiten, parteiübergreifenden sozialen Bewegung mit starker Basis getragen wird." Gemeinsam könne es gelingen, "der politischen Rechten die Stirn zu bieten" und "Mehrheiten für eine soziale Politik zu erreichen."

Ähnlich optimistisch äußert sich Sven Wöhl. Der Fraktionsgeschäftsführer der Linken im Zwickauer Stadtrat hat sich bereits bei der Sammlungsbewegung registriert. "Viele Leute sind unzufrieden mit der derzeitigen Situation, aber die Protestpartei AfD hat gleichzeitig keine Lösungen anzubieten."

Ob tatsächlich eine parteiübergreifende Aktion aus der Bewegung werden kann, bezweifeln Vertreter der Grünen. Der ehemalige Bundestagskandidat Wolfgang Wetzel begrüßt zwar grundsätzlich Initiativen, die zu mehr Einheit im linksliberalen Lager führen sollen, glaubt aber nicht, dass diese Bewegung das erreichen wird. "Wenn sie Menschen anspricht, denen die Hürden der Mitarbeit in einer Partei zu hoch sind, finde ich das gut. Viele dürften das aber nicht sein", sagt er. Außerdem solle eine Bewegung von unten entstehen und nicht von oben.

Der frühere Bürgerrechtler und jetzige Zwickauer Grünen-Stadtrat Martin Böttger sagt: "Die neue linke Bewegung will nicht sammeln, sondern spalten." Ein parteiübergreifendes "Aufstehen" im Landkreis sei außerdem längst Realität. "Grüne, Linke, Sozialdemokraten und Parteilose sind bereits aufgestanden, und zwar gegen NPD, III. Weg, Bürgeroffensive und weitere rechtsextreme Organisationen", sagt Böttger. Der Zwickauer Grünen-Stadtrat Lars Dörner schließt sich an: "Die Galionsfiguren von 'Aufstehen' sind die polarisierendsten Linken des ganzen Landes. Ich glaube nicht, dass die Bewegung das Sommerloch überlebt."

So sieht das auch SPD-Kreischef Andreas Weigel. "Vom Grundsatz her ist die Idee richtig, dass sich linke politische Kräfte überlegen, wie sie besser zusammenarbeiten", sagt er. "Da die Bewegung aber von Wagenknecht und Lafontaine getragen wird, die sich als Spaltkeile erwiesen haben, sehe ich keine seriöse Grundlage für eine Zusammenarbeit."

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2Kommentare
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  • 1
    0
    Freigeist14
    17.08.2018

    Herr Böttger muss ja seine Meinung auch nicht begründen. Wenn es gegen Sahra Wagenknecht geht ist jede abwertende Haltung als verbindlich zu betrachten. Da ist Herr Böttger mit SPD-Politikern aus dem rechten Flügel in guter Gesellschaft.

  • 0
    1
    Haecker
    16.08.2018

    Ich schließe mich der Meinung von Martin Böttger an!



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