Lobsdorf will tief in die Historie blicken

Die 700-Jahr-Feier nähert sich. Ein neuer Heimatverein möchte auch darüber hinaus Geschichte groß schreiben.

Lobsdorf.

Geschichtsforschung kann anstrengend sein. Zwar schlummern selbst über eine 300-Seelen-Gemeinde wie Lobsdorf unheimlich viele Informationen in den Archiven, wie Michael Oehler es ausdrückt. Doch der Ortschaftsrat weiß auch, dass es Aufwand, Fleiß und natürlich die nötigen Leute braucht, um nach den Zeugnissen der Vergangenheit zu buddeln.

Für Lobsdorf ist dies aktuell aus vielerlei Gründen ein Thema. Zum einen oblag die Geschichtspflege bislang dem örtlichen Sportverein. "Obwohl das nicht seine Aufgabe sein sollte", wie Landwirt Steffen Tröger sagt. Zum anderen findet 2020 die 700-Jahre-Jubiläumsfeier statt. Ein guter Zeitpunkt, dachten Oehler und Tröger, das Thema Geschichte in den Fokus zu nehmen und einen Heimatverein zu gründen.

"Wir Lobsdorfer" gibt es zwar offiziell bereits seit Juli, doch bislang sind die zwölf Mitglieder auf der Suche nach einem passenden Vereinssitz. Aktuell trifft man sich daher daheim beim Vorsitzenden Michael Oehler. Der indes hat bereits konkrete Pläne für das kommende Jahr. So soll er Verein sich etwa für den Erhalt des Kriegerdenkmals im Ort einsetzen. Auf dem steinernen Bauwerk in der Nähe des Gasthauses sind die Namen der gefallenen Lobsdorfer aus dem Ersten Weltkrieg eingraviert. Wind und Wetter machen die Schrift jedoch zunehmend unlesbar. Ob das Denkmal in den Urzustand zurück versetzt werden kann, ist bislang unklar. "Eventuell bringen wir eine neue Gedenktafel an der Kirche an. Die Informationen dafür konnten wir sichern."

Vergangenheit hat immer etwas mit eigener Identität zu tun. "Wir möchten zeigen, dass wir überhaupt eine eigene Geschichte haben", betont Oehler. Mit der Aussage schielt der Lokalpolitiker auch auf das Jahr 1995, als Lobsdorf nach St. Egidien eingemeindet wurde. Die Zusammenlegung hatte durchaus für einige Schmerzen gesorgt. Michael Oehler, selbst gebürtiger Lobsdorfer, macht auf die Vorzüge des kleinen Ortes aufmerksam. "Wir sind gut angebunden, liegen aber nicht zu nah an der Autobahn." Zudem gebe es überall schnelles Internet. Nicht alle Kommunen in der Nachbarschaft könnten das von sich behaupten.

Dass Lobsdorf mehr Potenzial hat, als lediglich ein "Wohndorf" zu sein, soll auch der Blick in die Geschichte zeigen. In einem Wohnhaus an der Oberen Dorfstraße etwa war früher ein Kolonialwarenladen untergebracht. In anderen Häusern befanden sich Schmied, Tischler oder Schuster.

Künftig will der Heimatverein daher an markanten Häusern Tafeln mit geschichtlichen Informationen anbringen lassen. Besucher könnten zudem am Ortseingang bald auf ein historisches Schild in den rot-weißen Farben der Schönburger stoßen. Auf einem Trafohäuschen könnte sich ein Lobsdorfer Künstler mit einem Graffito verewigen. Dass Interesse an der Geschichte besteht, zeigte ein Kalender mit historischen Fotos aus Lobsdorf, der zum Anlass des Jubiläums gedruckt wurde. Die 150 Exemplare gingen weg wie warme Semmeln.

Ortsvorsteherin Evelyn Würker unterstützt den neuen Verein. "Ich hoffe, dass sich noch der eine oder andere dazugesellt." Etwas Zeit werde es aber noch brauchen, bis "Wir Lobsdorfer" sich etabliert.

Dessen erste Herausforderung dürfte die 700-Jahr-Feier im Juni sein. Die soll mit dem Dorffest zusammengelegt werden. Vier Tage gehen die Festlichkeiten. Zudem werde es einen Aufruf an alle Lobsdorfer geben, ihre Häuser zu schmücken. Die schönsten werden von einer Jury prämiert. Kinder dürfen bei einem Malwettbewerb mitmachen. Auch hier heißt das Thema Historisches Lobsdorf.

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