Lösungen für Dörfer: Bus-App und digitale Berater

Sind die Gemeinden und ihre Verwaltungen auf den digitalen Wandel vorbereitet? Ein Workshop hat den Diskurs eröffnet, neue Ideen gleich mitgeliefert.

Gersdorf/Waldenburg.

Breitbandausbau mit Glasfaser, Angebote für Kreativwirtschaft zur Ansiedlung in Dörfern, digitale Berater in Gemeindeverwaltungen, digitale Plattformen für alle Einwohner, Carsharing in ländlichen Regionen, Aufbau von Bus-Apps, Kampf gegen Leerstand mit Coworking-Angeboten für die Gründer- und Start-up-Szene. Das ist nur ein Teil der Lösungen und Ideen, die sich die 30 Teilnehmer des vom Regionalmanagement der Förderregion "Schönburger Land" initiierten Workshops "Die Region - Wie wollen wir morgen leben?" erarbeiteten.

Dabei war allen Beteiligten am Samstag in der Evangelischen Oberschule in Gersdorf eines klar: Die Zukunft des ländlichen Raums hängt wesentlich von der Digitalisierung der Gesellschaft ab. Zwar gibt es laut Kersten Kruse vom Waldenburger Regionalmanagement der Förderregion "Schönburger Land" bereits Projekte wie die "Digitalen Dörfer", "wir wollen aber aus regionalem Kontext heraus Strategien entwickeln". Denn Herausforderungen wie Demografie-Wandel, schrumpfende Dörfer und Fachkräftemangel seien nicht eins zu eins auf jede Region übertragbar. In dem Zusammenhang betonte Gerald Swarat vom Fraunhofer-Institut, der digitale Systeme in ländlichen Regionen bereits untersuchte, dass bundesweit immerhin 56 Millionen Menschen im ländlichen Raum leben. Daher sein Fazit: "Glasfaser ist die soziale Infrastruktur des 21. Jahrhunderts." Die technischen Trends seien zwar überall die gleichen, die Herausforderungen aber andere. Es geht darum, "die Menschen in den Dörfern zu vernetzen". Die Gemeinden, denen digitale Berater unter die Arme greifen sollten, müssten aber selbst entscheiden, wie sie die Digitalisierung künftig nutzen wollen. Wichtig sei, die Einwohner bei dem Prozess mitzunehmen. Denn auch die ärztliche und Nahversorgung sowie Nachbarschaftshilfe spielen bei der Digitalisierung eine Rolle. In Bezug auf die Mobilität empfahl der Experte den Verkehrsverbünden, mit Bus-Apps den ländlichen Raum voranzubringen. Hingegen sollte das während des Workshops ebenso favorisierte Carsharing für die Dörfer in den Händen von Firmen bleiben.


Mobilität bewegt junge Leute

Richard Albani, Schüler aus Hohndorf: "Die Digitalisierung wird mit Sicherheit großen Einfluss auf mein zukünftiges Leben haben", erklärte der 16-Jährige, der vor allem zum Thema Mobilität im ländlichen Raum viel zu sagen hatte. Immerhin pendelt er Zehntklässler täglich zwischen Wohnort und der Schule in Gersdorf. "Eine Bürgerbus-App für junge und alte Menschen in den Dörfern finde ich super", sagt Albani. (jwa)


Bauern sind digitale Vorreiter

Christian Mainka vom Projekt "Digitale Kommune": "Die Bauern sind in den Dörfern die digitalen Vorreiter." So würden digitale Anwendungen zum Beispiel beim Pflanzenschutz helfen. Mainka ist bei City & Bits tätig. Das Unternehmen betreut 180 Kommunen, die sich zur digitalen Gemeinde oder Stadt entwickeln wollen. Da gehe es zum Beispiel um WiFi in allen Ortsteilen, Online-Dienste im Rathaus und intelligente Straßenlampen. (jwa)


Verwaltung nutzt Facebook

Dirk Neubauer, Bürgermeister der Stadt Augustusburg: "Wir haben keine digitale Revolution, sondern eine digitale Evolution. Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten. Wir müssen die Menschen darauf vorbereiten." Der SPD-Mann erklärte den Workshop-Teilnehmern, wie er die digitalen Kanäle für die Verwaltung nutzt. So würde er über die Facebook-Seite der Stadt Infos wie Straßensperrungen und Bauprojekte an die Follower streuen. (jwa)


Dörfer hinken hinterher

David Pohle von den Wirtschaftsjunioren Glauchau: "Mich hat das Projekt ,Digitale Dörfer' interessiert. Ich lebe in Tettau", so der Vermögensberater. Hinsichtlich des digitalen Wandels würden die Dörfer den Städten hinterherhinken, moniert Pohle. Als spannend bezeichnete er indes die Belebung leer stehender Häuser durch Coworking Spaces. Dabei mieten sich Kreative, Startups oder digitale Nomaden in größere Räume zusammen ein. (jwa)

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