Mammutwerk in guter Tradition

Eine 640-Seiten Biografie schreibt sich nicht von selbst. Doch mit einem straffen Zeitmanagement geht das. Das beweist Patrick Bochmann.

Lichtenstein.

Hand auf Herz, Wissen Sie, was ein Saurand ist? Wenn nicht, ist das nicht schlimm, selbst eine Anfrage bei der vermeintlich allwissenden Suchmaschine Google liefert kaum Ergebnisse. Was anderes ist es, wenn man Patrick Bochmann aus Lichtenstein fragt. Der Ortschronist würde nicht nur antworten, dass es sich um einen Ort handelt, wo einst Schweine sauber gemacht wurden. Er weiß auch, dass es einen solchen Saurand einst an der Waldenburger Straße in Lichtenstein gegeben hat.

Solch längst verloren geglaubtes Wissen ist die Spezialität des 40-Jährigen. Hauptberuflich ist Bochmann Allgemeinmediziner. Doch in seiner Freizeit nutzt der Hobbyhistoriker jede freie Minute, um bergeweise Dokumente in Archiven und Bibliotheken abzufotografieren.

Daraus entstehen dann Beiträge, Abhandlungen oder eben komplette Bücher, so wie jüngst die erste Biografie über Hugo Colditz. Der lebte zwischen 1857 und 1933 in Lichtenstein und war neben Bruno Lippmann der bedeutendster Historiker der Stadt. Das Problem: "Man hat vergessen wer er war", sagt Bochmann, der sich als Vorsitzender des örtlichen Geschichtsvereins auch in der Tradition Colditz's sieht. Sehr zu Bochmanns und dem Bedauern vieler historisch interessierter Lichtensteiner heiße die Kleist-Schule daher auch nicht Colditz-Schule.

Drei Jahre habe das Schreiben der Biografie gedauert. 640 Seiten sind herausgekommen. "Kurz Schreiben ist nicht mein Ding", sagt Bochmann. Und über Colditz gebe es viel zu schreiben. Der wusste nicht nur alles über den Saurand, sondern war auch Lehrer, Heimatforscher und sogar Pilzberater. Auch im Stadtrat hat er gesessen und fleißig in den damaligen Zeitungen publiziert. Von Freunden hatte Bochmann allein 40Jahrgänge des Lichtensteiner-Callnberger Erzählers gesichtet. Im sogenannten Querleseverfahren überflog der Hobbyhistoriker tausende von Seiten. "Manchmal kam aus tausend Seiten lesen nur ein einziger Satz heraus." Gute Zeitplanung habe geholfen, die Mammutaufgabe neben Beruf und Familie zu stemmen. "Selbst Duschen stand auf meiner To-Do-Liste." Das hätte der Ortschronist wohl vergessen, als er nächtelang Dokumente sichtete.

Während der Recherchearbeiten stieß Bochmann auf einen besonderen Fund. Colditz Nachfahren übergaben ihm eine in Kanzleischrift verfassten Lichtensteiner Ortschronik aus dem 18. Jahrhundert. "Die kann ich selber kaum lesen." Doch dies ist ein Projekt für die Zukunft. Zunächst hofft Bochmann, dass die Colditz-Biografie am 20. Januar in gedruckter Form vorliegt.

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