Mehr Raum für die Natur

In der Debatte um Landwirtschaft und Naturschutz meldet sich auch die Agrargenossenschaft Lungwitztal zu Wort und weist auf die Ausgleichsmaßnahmen hin, die von den Landwirten beispielsweise für die Insektenwelt realisiert werden.

Hohenstein-E./Bernsdorf.

Auf Flächen von etwa 45 Hektar, das entspricht etwa 75 Fußballfeldern, lässt die Agrargenossenschaft Bernsdorf derzeit unter anderem Sonnenblumen blühen. Im Frühjahr waren hier die lilafarbenen Phaceliablüten zu sehen, und weitere Arten gedeihen auf den Feldern ebenfalls. Schon allein die Geräuschkulisse macht deutlich, dass die Insektenwelt sich da offenbar nicht lange bitten lässt. "Diese Maßnahme nützt der Natur, aber auch uns als Betrieb", sagt Thomas Neubert, einer der Vorstände der Agrargenossenschaft.

Die Blühflächen, deren Anteil in den letzten vier Jahren kontinuierlich gestiegen ist, werden mit Fördermitteln unterstützt. Das muss laut Neubert auch so sein. "Wir sind ein Wirtschaftsbetrieb und können es uns einfach nicht leisten, etwas zu verschenken. Verkauft werden unsere Produkte zu Weltmarktpreisen, aber bei der Produktion gelten die strengen deutschen Vorschriften", erklärt er. Deshalb könne ein Großbetrieb seiner Meinung nach auch nicht einfach auf umstrittene Substanzen wie Glyphosat verzichten, denn dann wären viel mehr Bearbeitungsschritte der Flächen nötig, was nicht nur Zeit und damit Geld kostet, sondern auch den CO2-Ausstoß erhöht.

Neubert sieht aber ein, dass es neben Flächen mit intensiver Bewirtschaftung auch Areale geben muss, in den die Natur mehr Raum bekommt. Deshalb müssen Landwirtschaftsbetriebe auch fünf Prozent ihrer Felder zu ökologischen Vorrangflächen machen. Die können mit bestimmten Zwischenfrüchten bestellt oder ohne großes Zutun zu Brachen werden. "Bei den Brachflächen gibt es aber dann das Problem, dass viele Leute kein Verständnis dafür haben", erklärt der 51-Jährige. Ohnehin sei das Verständnis für Natur und Landwirtschaft bei vielen heutzutage so eine Sache, beispielsweise auch dann, wenn mehr Nachhaltigkeit gefordert aber stets die billigsten Lebensmittel gekauft werden, die vielleicht auch noch aus Übersee importiert werden. Hin und wieder treffen die Landwirte auch Feldbesucher, die sich nicht nur an den Sonnenblumen erfreuen, sondern die auch gleich mitnehmen. Das sei zwar bei so einem Feld keine Katastrophe, gehöre sich aber auch nicht. "Ich kann auch nicht in fremde Gärten gehen und Tomaten pflücken", sagt Neubert.

Noch mehr für die Natur zu tun, scheitert oftmals auch an der Bürokratie. Umweltschützer Manfred Sonntag aus Oberlungwitz als Kritiker der konventionellen Landwirtschaft fordert beispielsweise, dass "Feldränder an Wegen oder Waldstücken naturnah gestaltet" werden sollen. Laut Neubert geht das nicht, denn sämtliche Felder müssen heute auf den Zentimeter genau angelegt und gemeldet werden, ansonsten werden die Bewirtschaftungsprämien gekürzt. Derzeit gibt es bei der Agrargenossenschaft aber Überlegungen, wie weitere Flächen für Aufforstungen zur Verfügung gestellt werden können und ob vielleicht ein Blühflächenprojekt gestartet wird, bei dem die Bevölkerung spenden kann und weitere Felder zum Blühen gebracht werden.

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