Mehr Rechte für Geimpfte und Genesene - eine erste Bilanz

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Seit einer Woche sind einige Personengruppen vom Testen befreit. Doch wie funktionieren die neuen Regeln in der Praxis?

Zwickau.

Friseurin Christina Kretzschmar ist mit ihrer Geduld am Ende. "Die ständig neuen Coronaregeln vertreiben mir die Kunden", sagt sie. Die Friseurin betreibt einen Salon in der Spiegelstraße in Zwickau und muss seit Monaten starke Umsatzverluste hinnehmen. "Die Kunden wissen nicht, welche Regeln gelten und wie sie sich verhalten sollen. Deswegen sagen viele ihre Termine ab."

Seit einer Woche genießen vollständig geimpfte sowie genesene Personen mehr Rechte als der Rest der Bevölkerung. Sie müssen keinen tagesaktuellen, negativen Test mehr vorweisen, wenn sie Dienstleistungen oder Angebote wahrnehmen wollen. Bereits Genesene erhalten diese Freiheiten, wenn ein positiver Coronatest mindestens vier Wochen, aber nicht mehr als sechs Monate zurückliegt. Für Geimpfte gilt diese Regelung zwei Wochen nach der letzten Impfung.

Im Friseursalon von Christina Kretzschmar haben bislang nur wenige Kunden ihre Impfbestätigung vorgelegt, um sich die Haare schneiden lassen zu können. Bei Friseurin Mandy Scheibner aus Vielau ist das anders. Bereits vorigen Montag haben mehrere Kunden ihren Impfausweis vorgezeigt oder sich telefonisch informiert, welche Nachweise für den Besuch im Salon notwendig sind. "Das Interesse ist groß." Scheibners Kunden legen zum Beispiel ihren Impfpass oder eine Bestätigung vom Impfzentrum vor.

Diese Dokumente erweisen sich auch im Tierpark Hirschfeld als wertvoll. "Bei uns haben schon einige Besucher von den neuen Regeln Gebrauch gemacht und ihren Impfpass mitgebracht", sagt Tierparkleiterin Ramona Demmler. Besucher, die bereits an Corona erkrankt waren, müssen das ebenfalls nachweisen, ergänzt sie. Aber welche Möglichkeiten gibt es, um eine überstandene Coronaerkrankung zu belegen? "Der Nachweis kann ein Laborergebnis oder ein ärztliches Attest sein", erklärt das Sozialministerium Sachsen auf Nachfrage. Ein Quarantänebescheid ist ebenfalls als Nachweis gültig, allerdings nur für positiv getestete Personen und nicht für Kontaktpersonen.

Friseurin Christina Kretzschmar ist auch deshalb unzufrieden, weil für die Schnelltests, auf die die Mehrheit ihrer Kunden noch immer zurückgreifen muss, seit wenigen Tagen neue Vorgaben gelten. Die bisherigen Selbsttests, die per Selbstauskunft bestätigt werden konnten, reichen als Nachweis nicht mehr aus, verkündete Sachsens Sozialministerium. Demnach müssen die Tests unter Aufsicht, etwa in einem Testzentrum oder in den Läden vor Ort gemacht werden. "Ich habe die räumlichen Kapazitäten nicht, um die Tests hier durchzuführen. Und viele Kunden wollen nicht extra in ein Testzentrum gehen, bevor sie zu mir kommen", sagt die Friseurin. Die eigenständig durchgeführten Selbsttests haben ihrer Meinung nach bisher völlig ausgereicht, um die Sicherheit für Kunden und Mitarbeiter zu gewährleisten.

Auch in der K&S-Seniorenresidenz an der Schillerstraße in Zwickau stellen die Schnelltests nach wie vor einen wichtigen Teil des Hygienekonzepts dar. Angehörige, die ihre Verwandten in dem Pflegeheim besuchen wollen, müssen einen vorlegen. Das soll sich aber bald ändern. "Zukünftig ist auch ein Impf- oder Genesenen-Nachweis ausreichend", erläutert Sabrina Häsing, Sprecherin der Seniorenresidenz.

Friseurin Kretzschmar hofft angesichts sinkender Inzidenz derweil, dass sich die komplizierten Coronaregeln bald erledigt haben. "Es reicht langsam", sagt sie. "Ich weiß nicht, wie lange wir so noch durchhalten."

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