Mission Karneval bringt drei Altgedienten silberne Orden

Für die fünfte Jahreszeit investieren Karnevalisten unermüdlich Hirnschmalz und Freizeit. Ein Trio vom Callenberger Verein erlebte nun eine Überraschung.

Callenberg.

Da steppte der Bär in der Calle-Halle an der B 180. Die 92 Karnevalisten des Callenberger Faschingsvereins CFV waren noch gar nicht so recht auf Betriebstemperatur, da wurden drei Altgediente aus der Gilde zum Programmbeginn erst einmal vor die Bütt gebeten. Markus Nitzsche sowie Heidi und Rainer Krüger wussten nicht, wie ihnen geschieht. Das stand doch so nicht im Programm. Die drei waren völlig perplex, als ihnen der Verdienstorden des Verbandes Sächsischer Carneval (VSC) in Silber an die Brust geheftet wurde.

"Von den 20.000 Karnevalisten in Sachsen haben in diesem Jahr nur 36 diesen Orden bekommen, darunter die drei vom CFV", sagt Sven Haeder, seit drei Jahren Ordenskanzler des sächsischen Verbandes. Der 56-Jährige steht selbst noch immer in der Bütt und weiß daher genau, wie viel Freizeit und Arbeit Karnevalisten Jahr für Jahr investieren. "Man hat ja sonst nichts zu tun", witzelt der oberste Antragsprüfer. "Solches Engagement muss einfach auch mal gewürdigt werden", sagt Haeder.

Eigentlich sieht man die Karnevalisten selten sprachlos, diesmal war es wohl die Rührung. Sie mussten allerdings ihren Redefluss schnell wiederfinden, denn alle mischen im Programm mit. Heidi Krüger verdient im richtigen Leben ihre Brötchen in der Montage der Lichtensteiner Firma Geberit. Im Programm nimmt sie diesmal bei der Nummer Frauenpower die Männer aufs Korn. "Es geht um die Evolution, also die Entwicklung des Mannes vom Affen zum Möchtegern-Chef, der zu Hause nichts zu melden hat", erklärt die 58-Jährige mit einem verschmitzten Lächeln in Richtung ihres gleichaltrigen Ehemannes Rainer, der seit etlichen Jahren im Elferrat sitzt und in einer achtköpfigen Sketch-Gruppe mitmischt. "Wir unternehmen eine Zeitreise, ackern uns diesmal mit unseren Sketchen durch die Jahreszeiten. Bis wir am Ende feststellen, dass es nur eine richtige Jahreszeit gibt. Das ist natürlich die fünfte", sagt er. Und ergänzt: "Wir freuen uns einfach, wenn die Gags gut sind und die Leute sich schieflachen." Die Eheleute gehören seit 25 Jahren genauso zum CFV-Programm wie dorische Säulen zur griechischen Antike. Auch Markus Nitzsche ist aus der CFV-Riege nicht wegzudenken. Der selbstständige Friseur ist der Mann hinter den Kulissen. "Ich bin für die Perücken und das Styling zuständig, halte die Kostüme bereit und helfe aus, wenn hinter der Bühne die Luft brennt. Und du kannst mir glauben, ich habe dort genauso viel zu lachen wie vorn das Publikum", sagt der 48-Jährige, der seit dem Gründungsjahr 1992 dabei ist und nach dem Programm kostümiert mitfeiert.

Die Kriterien für den Orden sind klar definiert: Mindestens 22 Jahre Mitgliedschaft im Verein oder elf Jahre im Elferrat. Dabei sollte der Jecke möglichst durchgehend als aktives Mitglied gute Arbeit geleistet haben. "Ich hätte mich aber auch über den Vaterländischen Verdienstorden in Dachpappe mit Mostrich obendrauf gefreut", witzelt Rainer Krüger in Karnevalisten-Manier.


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