Mit 70 Sachen auf drei Rädern unterwegs

Für einen Dänkritzer beginnt jetzt die schönste Zeit im Jahr. Er kann mit seinen verschiedenen Gefährten auf Achse sein.

Dänkritz.

Ein abwechslungsreiches Jahr steht Rolf-Dieter Huckenbeck bevor. Mit diversen Oldtimern wird der Dänkritzer in den nächsten Monaten einige Tausend Kilometer auf Achse sein. Der 64-jährige gelernte Kraftfahrzeugschlosser war viele Jahre als Fernfahrer unterwegs. Nun hat er als Rentner endlich etwas Zeit, um seine Hobbys zu genießen.

Start ist am 2. Mai mit einer mehrtägigen Reise nach Boskovice (Slowakei) zum Europatreffen der dreirädrigen "Velorex". Im Juni geht es mit einem Trabi 601 und einem Queck-Wohnanhänger durch acht Länder über 7500 Kilometer rund um die Ostsee. Im Herbst plant der Senior eine Reise entlang der ehemaligen Grenze der DDR, und zwar mit einem Traktor vom Typ Famulus.

Torsten Kleditzsch

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"Man muss schon etwas verrückt sein", sagt Rolf-Dieter Huckenbeck schmunzelnd. "Als Fernfahrer war ich fast mein ganzes Leben lang immer auf Achse, da steckt das Fernweh noch immer in den Gliedern."

Mit der "Velorex", ein Versehrtenfahrzeug, das einst in der Tschechoslowakei gebaut wurde, fällt der Dänkritzer auf. Ähnlich ist das Gefährt dem aus DDR-Zeiten bekannten "Duo" aus Suhl. Ein 350er-Jawa- Motor treibt das Hinterrad an und könnte das Gefährt theoretisch auf bis zu 120 Kilometer pro Stunde beschleunigen. "Das fährt man aber freiwillig nicht", sagt Huckenbeck. Der Lärmpegel, den der Motor verursacht, sei schon heftig. Eine Reisegeschwindigkeit von rund 70 Sachen sei da deutlich angenehmer, und vor allem könne man bei dieser Geschwindigkeit auch sicherer lenken.

Eigentlich ist die "Velorex" ein Zweisitzer. Doch auf den zweiten Platz stellt der Oldtimerfan einen kleinen Proviantkorb und legt ein paar Ersatzteile, die immer mitgeführt werden. Auch wenn fast alles am Gefährt neu ist, bestimmte Dinge wie Ersatzlampen für die Beleuchtung (in Tschechien Pflicht), diverse Bowdenzüge und Zündkerze werden immer mitgenommen.

Wenn die Sonne scheint, kann das Kunstlederverdeck binnen vier Minuten zurückgeschlagen werden, und Rolf-Dieter Huckenbeck hat ein Cabrio. Die kleine Windschutzscheibe mit Mini-Scheibenwischer bleibt in dieser Version natürlich stehen und schützt so weiter vor dem Fahrtwind. Der Tank fasst gut 16 Liter Gemisch 1:33. "Das gibt es ja an keiner Tankstelle mehr, und deshalb muss ich selber mischen."

Mit einer Tankfüllung kommt der 64-Jährige reichlich 250 Kilometer weit. Öl gehört immer ins Reisegepäck. Und ein Wollputzlappen gehört, vor allem in der etwas kühleren Jahreszeit, auch immer mit auf die Sitzbank. Den benötigt der Fahrer, wenn die Frontscheibe von innen beschlägt, denn ein Heizungsgebläse gibt es nicht. Sturzhelm und Sicherheitsgurt sucht man vergeblich, aber ein richtiges genormtes Nummernschild mit gültiger TÜV-Plakette ist Vorschrift. Im vergangenen Jahr ist Rolf-Dieter Huckenbeck mehr als 6000 Kilometer mit der "Velorex" gefahren, einfach mal ein paar Tage an die Ostsee oder in den Spreewald. Hinzu kommen Treffen der "Velorex"-Freunde in ganz Deutschland. Zum Europatreffen treffen sich im Mai in Boskovice unweit von Brno mehr als 100 Fans des auffälligen Dreirades, die unter anderem auch aus der Schweiz und Österreich anreisen.

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