Mit festem Willen gegen die Sucht

Als junger Mann war der Alkohol für Siegfried Landgraf den ganzen Tag ein Begleiter. Im Lutherstift kam er von ihm los.

Hohenstein-Ernstthal.

Wenn am kommenden Mittwoch im Lutherstift an der Friedrich-Engels-Straße das 20-jährige Bestehen des ambulant betreuten Wohnens für suchtkranke Männer gefeiert wird, ist das auch für Siegfried Landgraf ein besonderer Tag. Der 58-jährige gehörte zu den ersten Bewohnern der Einrichtung, die für ihn auch heute noch ein Stück weit ein Zuhause ist, obwohl er längst in einer Wohnung am Poetengässchen lebt. In den Lutherstift kam er, nachdem er dem Alkoholtod von der Schippe gesprungen war. Als Obdachloser und schwerst Abhängiger war er 1998 zur Entgiftung in Chemnitz gekommen. "Damals hatte ich gar nichts", erzählt Landgraf ganz sachlich.

Schon als 18-Jähriger hatte seine "Laufbahn" begonnen. Als ungelernte Hilfskraft war er in verschiedenen Betrieben tätig, wo auch tagsüber emsig getrunken wurde. "Da haben wir alle ausgetrickst", erinnert er sich an Zeiten, in denen die Bierkästen über den Zaun gegeben wurden oder der Schnaps in Seltersflaschen mit in den Betrieb kam. Mittags ging es dann in die Kaufhalle und abends in die Kneipe. "Es ist immer mehr geworden", sagt Siegfried Landgraf, der irgendwann als Spiegeltrinker bei erschreckenden Mengen angekommen war. Zehn bis 15 Flaschen Bier am Tag und drei Flaschen Schnaps gab es manchmal. Nach dem Verlust von Arbeitsplatz und Wohnung ging es weiter bergab, bis ihn ein Arzt in die Suchtklinik schickte.

Im Gegensatz zu anderen zog Landgraf diesen Weg durch. "Man braucht einen wirklich festen Willen", sagt er. Seit 20 Jahren ist er "trocken", wobei auch die Weggefährten im Lutherstift halfen. Hier gibt es nicht nur das betreute Wohnen, sondern auch die Sucht- und Drogenberatungsstelle des Diakoniewerkes Westsachsen. Die Mitarbeiter vermittelten Landgraf damals eine Langzeittherapie und danach fand er den Weg in die Selbsthilfegruppe, der er bis heute treu geblieben ist. Aller 14 Tage gibt es Treffen und in die Begegnungsstätte "Windlicht" kommt der 58-Jährige, der in der Wäscherei des Lebenshilfewerkes arbeitet, fast täglich.

Der Tag der offenen Tür im Lutherstift an der Friedrich-Engels-Straße 86 findet am kommenden Mittwoch, 13 bis 17 Uhr, statt. Die Beratungsdienste des Diakoniewerkes Westsachsen, das ambulant betreute Wohnen sowie der alkoholfreie Tagestreff "Windlicht" werden sich vorstellen. Gäste können mit Mitgliedern der verschiedenen Selbsthilfegruppen sowie mit Besuchern der Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstelle ins Gespräch kommen. Erreichbar ist die Sucht- und Drogenberatungsstelle unter Ruf 03723412115.


Ist das Feierabendbier gefährlich?

Eine Flasche Bier oder ein Glas Wein am Tag gelten gemeinhin als unbedenklich und sind für viele Menschen Teil ihres Alltages. Laut Stefanie Eulitz, Mitarbeiterin in der Sucht- und Drogenberatungsstelle, ist aber auch diese Menge nicht ungefährlich. Das Problem ist der tägliche Alkoholkonsum, durch den das Genussmittel zum Suchtmittel werden kann. Deshalb sollte es ein oder besser zwei Tage pro Woche ohne Alkohol geben. Dass viele Menschen deutlich mehr trinken, ist kein Geheimnis, gerade weil der Alkohol in der Gesellschaft akzeptiert und verbreitet ist. Doch das Risiko der Sucht und gesundheitlicher Schäden steigt damit erheblich.

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