Mit Rosen und Musik in die Rente

Nach 41 Jahren Dienst geht ein Schulleiter in den Ruhestand - und rechnet dabei auch ein wenig mit der Gesellschaft ab.

Lichtenstein.

Mit dem Schuljahr endete auch die aktive Dienstzeit von Norbert Chmiel, der seit 2011 Schulleiter der Heinrich-von-Kleist-Oberschule in Lichtenstein war. Er wurde am Freitag verabschiedet, was für den 65-Jährigen auf überraschende Art und Weise erfolgte. Das begann damit, dass er am Morgen mit einem Oldtimer zu Hause in Zwickau abgeholt wurde. An der Schule wurde er dann mit Rosen empfangen. Im Gebäude erwartete ihn Musik der Bläserklassen - Mädchen und Jungen, die kurz zuvor ihre Zeugnisse bekommen hatten.

In einer kurzen Rede erinnerte sich Norbert Chmiel an den Beginn seiner eigenen Schullaufbahn. "Ich bin 1964 in eine neue Schule gekommen. Die war genau derselbe Typ", erzählte er aus seiner eigenen Zeit als Schüler. Zu DDR-Zeiten gab es einen einheitlichen Bauplan für die Bildungsstätten. Wichtiger als das Gebäude selbst ist aber seine Aufgabe. "Man sollte immer daran denken, dass die Schule ein Ort ist, an dem man etwas für das Leben lernt", sagte der Pädagoge, der 41 Jahre im Schuldienst war, davon 28 Jahre als Leiter. Seine Verabschiedung passt zum Generationswechsel, der momentan in den Schulen im Gange ist. "Die Babyboomer-Generation geht nun nach und nach in den Ruhestand", sagt Norbert Chmiel, der sich mit Blick auf den Lehrermangel Sorgen macht und bei der Politik durchaus Fehler sieht. Auch wenn er das Leben der Schüler heute mit früheren Jahrzehnten vergleicht, hat er Bedenken. "Es wird viel Unruhe verbreitet. Die Kinder brauchen da eine Hilfestellung, um eigene Positionen zu finden", ist er sich sicher.


Zu viel Unterhaltungselektronik, kurzweilige Trends, Mobbing in der Anonymität des Internet oder die Flut an Neuigkeiten, die ununterbrochen auf die Kinder wirken, führten zu Orientierungslosigkeit und Verunsicherung. Daher seien Lehrer mehr gefordert und müssten genau erkennen, welche Bedürfnisse die Schüler haben und wie sie mit pädagogischem Geschick auf die Herausforderungen des Lebens vorbereitet werden. Genaue Pläne für den eigenen Ruhestand hat Norbert Chmiel noch nicht. "Ich werde aber bestimmt nicht der typische Couch-Rentner", sagt der Zwickauer, der früher in der Zweiten Liga Volleyball gespielt hat.

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