Mit viel Gefühl zur letzten Ruhe

Ans Werk! Sie bauen, schleifen, schrauben, drehen und drechseln: Handwerker gestalten unser Umfeld. Die "Freie Presse" stellt einige Gewerke aus der Region in einer Serie vor - und schaut den Handwerkern bei der Arbeit auf die Finger.

Hohenstein-Ernstthal.

Zur großen Vielfalt der handwerklichen und handwerksähnlichen Berufe zählen auch die Bestatter. Enrico Schüppel aus Hohenstein-Ernstthal wundert das nicht, denn in der Arbeit des 43-Jährigen gibt es tatsächlich eine Vielzahl von Tätigkeiten, bei denen mit den Händen gearbeitet wird. Obwohl die Aufgabe des Bestatters keine alltägliche ist, erzählt Schüppel ganz sachlich, aber zugleich mit dem nötigen Respekt, von dem was er tut. Von Gesprächen mit Menschen, die ihre eigene Bestattung schon frühzeitig planen, bis hin zur Begleitung in der Trauer gehört alles zum Leistungsspektrum eines Bestatters.

Eine Rufbereitschaft rund um die Uhr ist dabei genauso üblich wie die Zusammenarbeit mit Partnern oder Helfern, wenn es um den Transport eines Verstorbenen geht. Bei der Vorbereitung eines Sarges wird es dann wirklich handwerklich. "Der Sarg wird mit flüssigkeitshemmender Spezialfolie ausgelegt und mit Stoff ausgekleidet", erklärt Schüppel, der seit fast 15 Jahren als Bestatter arbeitet. Kissen und Decken gehören ebenfalls dazu, wobei die Auswahl bei entsprechenden Spezialanbietern riesig ist. Ebenso riesig ist das Preisspektrum beim Sarg, seiner Ausstattung oder bei den auf Wunsch individuell gestalteten Urnen. Särge gibt es generell vom unteren dreistelligen Bereich bis hin zu einigen Tausend Euro, was aber eher der Ausnahmefall ist. Beschläge, Griffe und Sargfüße bringt Schüppel individuell an.


Bei einer Erdbestattung wird der Sarg dann von sechs Männern auf einem Wagen gefahren oder direkt getragen. In jungen Jahren hat Schüppel das auch schon gemacht, aber auch heute ist das manchmal noch Aufgaben des Bestatters.

Für manchen schwer vorstellbar ist das Herrichten der Verstorbenen. "Da übernehmen wir neben der hygienischen Versorgung auch Tätigkeiten einer Kosmetikerin oder eines Frisörs", sagt Schüppel. Denn wenn die Angehörigen am Sarg Abschied nehmen, soll der Verstorbene vertraut aussehen. Deshalb bekommt er oftmals auch Kleidung angezogen, die er zu Lebzeiten wirklich auch getragen hat. "Dabei brauchen wir zum Beispiel Grifftechniken aus der Altenpflege", erläutert Enrico Schüppel. Selbst Themen wie Arbeitsschutz spielen eine Rolle, unter anderem wenn die Bestatter auf eine möglichst rückenschonende Arbeitsweise achten müssen oder Schuhe mit Stahlkappen tragen.

Für einige Bestattungen übernimmt Schüppel auch eine Aufgabe, die ansonsten die Friedhofsverwalter absichern. Er hebt die Gräber selbst von Hand aus. "Das Grabmachen gehört zur Ausbildung eines Bestatters dazu", erklärt er. Inklusive Vorbereitung braucht er dafür geschätzte fünf bis sechs Stunden. Ein Grab muss so tief sein, dass über dem Sarg mindestens 90 Zentimeter Erdüberdeckung sind.

Geht es um den Grabstein oder die Bepflanzung des Grabes, empfiehlt Enrico Schüppel dann andere Handwerker. "Da haben wir wirklich gute Betriebe hier in der Region", sagt er und kennt das Handwerk auch insgesamt ziemlich gut. Denn von 2012 bis 2016 war Schüppel Mitglied der Vollversammlung der Handwerkskammer in Chemnitz. Dort hat er oft gehört, wie verzweifelt manche Handwerksbetriebe Nachwuchs suchen. Bei den Bestattern ist dieses Problem aber weniger ein Thema.

Der Beruf geht aber weit über das Handwerkliche hinaus, denn es gilt vieles zu organisieren und ein Stück weit auch im Bereich Seelsorge zu unterstützten. Worauf es dabei ankommt, hat Enrico Schüppel beispielsweise bei der Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospizhelfer im Christlichen Hospizdienst "Lebensspur" gelernt. Da er auch als Trauerredner tätig ist, gehören die Gespräche mit Angehörigen ohnehin zu seinem Tätigkeitsfeld.

Schüppel hatte schon Kunden, die im Vorfeld sogar schon über die eigene Trauerrede sprachen. Das sei aber eher unüblich. Als wichtiger sieht es der Bestatter an, dass das Thema insgesamt nicht verdrängt wird. "Wenn man selbst regelt, wie die eigene Bestattung erfolgen soll, ist das ja eigentlich für alle am besten", gibt er zu bedenken, weiß aber genau, wie schwer sich manche Leute mit dem Thema des eigenen Todes tun, obwohl dieser ja nun einmal auch zum Leben dazu gehört.

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