Modellbahnen rollen ins Esche-Museum

Der Umzug der Sammlung im Wert von 100.000 Euro ist geschafft. Unter den Loks, Waggons und Gebäuden finden sich auch kuriose Exemplare.

Limbach-Oberfrohna.

Bevor Katrin Jeschkowski eine Lokomotive aus dem Karton nimmt, zieht sie sich Stoffhandschuhe an. Dann fasst sie das grüne Fahrzeug besonders behutsam an, ohne zu viel Druck auszuüben. Erst als sie die E-Lok auf einer Schiene platziert hat, die sich in einer Vitrine an der Wand befindet, weicht die Anspannung aus dem Gesicht der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Limbach-Oberfrohnaer Esche-Museums. Es soll schließlich nichts kaputtgehen - zu wertvoll ist das, was sie da auspackt und hinter Glas absetzt. Es handelt sich um eine Modelleisenbahn-Sammlung im Wert von etwa 100.000 Euro.

Die Loks, Waggons, Signalanlagen und Gebäude samt anderem Zubehör hat Wolfgang Ziemert im Laufe mehrerer Jahrzehnte angehäuft. Am Ende gab es im Haus des Limbacher Eisenbahn-Enthusiasten an der Sachsenstraße kaum einen Raum, in dem man nicht auf Loks und Waggons schaute. Schon bevor Ziemert im Herbst 2017 im Alter von 77Jahren starb, hatte er den Wunsch geäußert, seinen Schatz dem Esche-Museum zu vermachen. Der Einrichtung war er eng verbunden - nicht nur als Mitglied des Fördervereins, sondern auch als Führer durch die Ausstellung. Bereits im Juni hatten Ziemerts Witwe Ursula und Oberbürgermeister Jesko Vogel einen entsprechenden Schenkungsvertrag unterzeichnet.

In dieser Woche ist nun die Sammlung vom Haus der Ziemerts ins nahe Museum gebracht worden. "Das ging viel schneller, als ich dachte. Schon nach einem Tag war das Haus leer", sagt Ursula Ziemert. Neben Mitarbeitern des Museums halfen auch zwei Freunde von Wolfgang Ziemert aus der Modelleisenbahn-Szene mit. Sie sorgten dafür, dass die Loks und Waggons fachmännisch verpackt wurden. Während der Großteil der Sammlung per Transporter zum Museum gefahren wurde, trug Ursula Ziemert zwei besonders wertvolle Loks per Hand hinüber. Die Modellbahn-Sammlung umfasst etwa 1500 Gegenstände und deckt fast alle Hersteller ab, die es zu Zeiten der sowjetischen Besatzungszone und der DDR gab, darunter Pico-Express (später Piko), Dietzel, Bock und Dahmer. E-Loks sind ebenso zu sehen wie Dampfloks, Triebwagen, Personen- und Güterwaggons. Aufschriften wie "Seefische", "Minol", "Goerlitzer Brauerei" und "Persil" geben darüber Auskunft, welche Art von Güterwagen die Nachbauten imitieren sollten. Besonders ins Auge fallen dem Betrachter kuriose Exemplare wie Zirkuswagen mit Raubtieren hinter Gitterstäben oder auch solche, deren Aufbau aus Pappe besteht.

Besucher des Esche-Museums müssen aber noch Geduld aufbringen, bis sie einen Blick auf die Miniatur-Eisenbahnen werfen können. Denn die Sammlung wird vorübergehend in einem Schaudepot im ersten Stock des Gebäudes aufbewahrt, das erst ab Herbst und dann auch nur im Rahmen einer Führung zugänglich sein soll. "Schaudepot heißt, dass Dinge verpackt und unverpackt zu sehen sein werden", erklärt Museumsmitarbeiterin Jeschkowski. Um die gesamte Sammlung in Vitrinen zu präsentieren, reicht der Platz nicht.

Das soll bis Ende 2021 anders werden. Bis dahin, so steht es im Schenkungsvertrag, muss die Stadtverwaltung dafür sorgen, dass die Sammlung angemessen präsentiert wird. Um das zu ermöglichen, müssen Büros und ein Depot mit Textilien und Schriftgut weichen. Sie sollen außerhalb des Museums untergebracht werden. Auf diese Weise kann die Ausstellungsfläche vergrößert werden.

Ursula Ziemert bietet der Stadt weiterhin ihre Hilfe an - auch in Form eines finanziellen Zuschusses, "falls es am nötigen Geld für eine ansprechende Vitrine oder ähnlichem mangeln sollte", sagt die Witwe. Sie sei sehr zufrieden, wie der Umzug der Sammlung gelaufen sei. Dabei klingt sie, als spräche sie auch für ihren verstorbenen Mann.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...