Musik und Spiel helfen Brücken schlagen

In der Lichtensteiner Bibliothek gibt es nicht nur Bücher. Das erfuhren die Gäste, die zum jüngsten Spielenachmittag kamen.

Lichtenstein.

Hoch her geht es beim Spielenachmittag in der Lichtensteiner Stadtbibliothek. Zu Gast ist auch die siebenjährige Rooja aus Afghanistan. Sie macht mit anderen Kindern Musik. Später sitzt sie mit ihren Geschwistern zwischen den Bücherregalen an einem Tisch und malt. Ihre Mutter und ihre Patenfamilie schauen dem Treiben zu. Rooja ist eine von vier Kindern der Familie Merzaee, die derzeit in Lichtenstein wohnt.

Den Spielenachmittag in der Bibliothek gibt es zum dritten Mal. Im Laufe des Nachmittags kommen diesmal wieder etwa 50 Leute jeden Alters - vom Vorschulkind bis zum Rentner. Flüchtlingsfamilien, die von ihren Patenfamilien zu der Veranstaltung eingeladen werden, sehen ganz nebenbei, dass auch für sie die Bibliothek ein guter Anlaufpunkt ist.


Denn die Einrichtung möchte auch einen Beitrag zu ihrer Integration leisten. Bibliothekschefin Katrin Hisslinger verweist unter anderem auf die sogenannte "Willkommensbibliothek". Diese umfasst etwa 100 Bücher, darunter zweisprachige Kinderbücher in deutsch-arabisch oder deutsch-persisch, Bilder-Wörterbücher sowie deutschsprachige Sachbücher, die über die Flüchtlingsproblematik informieren. Die Bücher konnte die Bibliothek mit Hilfe von Spenden Lichtensteiner Einwohner anschaffen.

Die Spielenachmittage dienen dazu, bei den Flüchtlingen Hemmschwellen vor der Bibliothek abzubauen. "Wir wollen ein offenes Haus sein. Zu uns kann man nicht nur zum Bücherausleihen kommen. Man kann sich auch einfach mal in der Bibliothek umschauen, in den Büchern blättern oder bei unseren Veranstaltungen mitmachen", lädt sie ein. "Wir möchten mit den Flüchtlingsfamilien in Kontakt kommen und auch ihre Sprachförderung unterstützen", ergänzt Gabriele Konrad vom Freundeskreis der Stadtbibliothek, der die Veranstaltungen mit organisiert.

"Wichtig ist, dass sich deutsche und Flüchtlingsfamilien begegnen. Das dient dem Kennenlernen und baut auch Vorurteile ab", sagt Michaela Flachowsky vom Lichtensteiner Verein Lebenshaus. Sie betreut derzeit 15 solche Familienpatenschaften. Zudem gibt es weitere fünf Patenschaften mit Jugendlichen, die ohne Familie nach Deutschland gekommen sind.

Einer von ihnen ist Tufan aus Afghanistan. Er spielt mit Lilly-Marleen und ihrer Tante "Mensch-ärgere-Dich-nicht". Der 17-Jährige wohnt derzeit in Zwickau und geht zur Schule. Das Brettspiel ist ihm nicht unbekannt. "Das gibt es auch in Afghanistan", sagt er.

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