Nachbarschaft will keine neuen Nachbarn

In Callenberg machten Einwohner des Ortsteils Reichenbach ihrem Unmut über eine Wohngebietserweiterung Luft.

Callenberg.

Als Kommunalpolitiker muss sich Callenbergs Bürgermeister Daniel Röthig (CDU) durchaus manchmal Kritik gefallen lassen. Doch das, was am Montagabend in der Gemeinderatssitzung auf ihn einprasselte, war nicht alltäglich. "Das war teilweise schon weit unter der Gürtellinie", schätzt der Ortschef mit etwas Abstand ein. Ruhig blieb er in der Sitzung trotzdem, obwohl einige Anwohner der Siedlung an der Grumbacher Straße gehörig Druck gemacht hatten. Von Verstößen gegen die Sächsische Gemeindeordnung war die Rede, weil zu einer Sitzung angeblich keine ordnungsgemäße Einladung erfolgt sei. Details einer Erhebung zum Bedarf von Wohnbaugrundstücken wurden lautstark gefordert. Sogar die Schuld für die nicht zufriedenstellende Verteilung des Amtsblattes wurde dem Bürgermeister lautstark zugeschoben. Der wiederum antwortete nur knapp und verwies darauf, dass geforderte Informationen noch nicht vollständig sind und die Situation beim Amtsblatt tatsächlich nicht zufriedenstellend sei.

Erst am Ende der Sitzung äußerten sich die Räte. "Ich bin erschüttert", sagte Günter Vogel (Linke), der auch Ortsvorsteher von Reichenbach ist, über die Art und Weise der Diskussion. Er weiß, dass die Idee einer Erweiterung des Wohngebietes an der Grumbacher Straße vor allem bei einigen Bewohnern nicht gut ankommt, ist aber anderer Meinung. "Ich sehe das nicht als Problem", stellte er klar. Alle müssten noch einmal vernünftig zusammen reden. Gemeinderat Tobias Kupfer (CDU) kritisierte den Widerstand gegen eine mögliche Erweiterung. "Sie wohnen ja in dem Baugebiet, das dort errichtet worden ist. Stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn sich die Bürger damals dort auch so verhalten hätten", sagte er. Weitere Räte argumentierten ähnlich und betonten, wie wichtig es sei, Platz für neue Wohngebiete zu finden, denn nur so könne ein Schrumpfen Callenbergs zumindest gebremst werden.

Laut Daniel Röthig wurde das Wohngebiet an der Grumbacher Straße Anfang der 1990er-Jahre, also weit vor seiner Amtszeit, errichtet. Nicht alles lief optimal, unter anderem sorgen die schmalen Straßen und fehlende Parkplätze für Kritik. Gerade die Parkplatzsituation könnte im Rahmen der Erweiterung verbessert werden. "Bisher gab es aber nur eine Willensbekundung im vergangenen Oktober, mehr nicht", erklärte Röthig. Deshalb sei ein Auftreten der Anwohner, die am Rand des Baugebietes am Feld wohnen, alles andere als verständlich.

Ob die Idee, das Gebiet in Richtung der ehemaligen Bahntrasse zu erweitern, überhaupt realisierbar ist, hängt von vielen Dingen ab. Größtes Fragezeichen ist die Regionalplanung, die beispielsweise landwirtschaftliche Vorrangflächen festlegt. Ende Februar soll es offiziell Klarheit geben.

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