Naturschützer fordern weniger Hexenfeuer

Allein in Hohenstein-Ernstthal wird es am heutigen Dienstag über 130 Feuer geben. Für Mensch und Umwelt ist das eine Belastung. Doch das Beispiel Callenberg zeigt, dass es auch anders geht.

Hohenstein-Ernstthal.

Die Haufen sind aufgeschichtet. Überall in der Region finden sich die Holzstapel, die am heutigen Dienstag brennen sollen. 138 sind es in Hohenstein-Ernstthal, 154 in der Verwaltungsgemeinschaft "Rund um den Auersberg", zu der Lichtenstein, Bernsdorf und St. Egidien zählen. Diese Vielzahl an Höhenfeuern - manche ganz groß auf dem Sportplatz, andere ganz klein im Garten - sorgen jedes Jahr aufs Neue für Kritik. Denn die vielen Feuer machen auch viel Qualm - und verbreiten damit Feinstaub in der Luft.

"Kinder gehen für das Klima auf die Straße und wir tun so, als ob wir da noch nie etwas von gehört haben", sagt Sergej Sanwald, Umweltschützer von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Besonders die Feinstaubbelastung sieht er als Problem. Deshalb fordert er, dass Kommunen lieber wenige zentrale Feuer zulassen, statt der vielen kleinen. "Die 138 in Hohenstein-Ernstthal sind 100 zu viel", kritisiert er.


Für Manfred Sonntag, der für den Landkreis als Naturschutzhelfer unterwegs ist, geht es den Kommunen zuerst ums Geld. "Die Feuer stinken viel, bringen aber eben auch viel ein", sagt er. Neben dem Feinstaub macht er sich auch Sorgen um die Tiere, die sich in den Holzstapeln einen Lebensraum suchen. Deshalb gibt es auch die Regelung, dass die Häufen am 30. April noch einmal umgeschichtet werden müssen. "Die Feuer sind nicht zeitgemäß. Den Politikern geht da aber kein Licht auf", sagt er.

Zuständig für die Genehmigung sind die Kommunen. Einige beschränken die Anzahl der Feuer bereits deutlich. In Callenberg etwa gibt es nur sieben Stück - eins pro Ortsteil. Eine richtige Entscheidung, geht es nach Gerhard Sonntag aus St. Egidien. Er sitzt für die Grünen im Kreistag und kritisiert die Vielzahl an genehmigten Feuern. Eine einheitliche Regelung für den Landkreis sieht er nicht kommen. "Das fällt eben nicht unter die Hoheit des Kreises. Da würde es von den Bürgermeistern sicher einen Aufschrei geben", prognostiziert er. Deshalb richtet er einen Appell an die Kommunen und fordert diese auf, noch einmal in sich zu gehen. "Die Anzahl der Feuer muss auf ein Minimum beschränkt werden", sagt er.

Laut Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie werden tatsächlich jedes Jahr aufs Neue erhöhte Feinstaubwerte zum Hexenfeuer gemessen. Allerdings gibt es im Landkreis nur zwei Messstationen - in Zwickau und Glauchau. Zweimal wurden die Grenzwerte in den letzten fünf Jahren teils deutlich überschritten - 2014 und 2016.

Der Oberbürgermeister von Hohenstein-Ernstthal, Lars Kluge (CDU), sieht in den vielen Feuern kein Problem. "Die haben bei uns Tradition", argumentiert er. Man dürfe nicht den Fehler machen und denken, dass durch viele Feuer auch viel Feinstaub entsteht. "Es kommt auch auf die Größe an. Bei uns gibt es viele kleine", sagt der OB. Aufgrund der Vielzahl an Feuern sei eine Kontrolle schwierig. Eigentlich muss geschaut werden, was in den Feuern verbrannt wird, ob die Haufen umgeschichtet wurden und ob die Feuer angemeldet sind. "Das passiert aber nur stichprobenartig", so Kluge.


Kommentar: Alles in Maßen

Gut, dass die Höhenfeuer in diesem Jahr an einem Dienstag stattfinden. Nicht auszudenken, wäre es ein Freitag gewesen. Denn dieser Tag ist heutzutage dem Umweltschutz gewidmet - vielen Schülerinnen und Schülern zum Dank. Und umweltfreundlich, das sind die Traditionsfeuer definitiv nicht. Wenn in Hohenstein-Ernstthal am Dienstag über 100 Feuer brennen, dann verpestet das die Luft, dann tötet das kleine Tiere. Und doch sollten die Feuer nicht gleich ganz abgeschafft werden. Schließlich ist es eine Tradition, die vielen Menschen gefällt. Nur sollte dabei eben ein gewisses Maß gehalten werden. Wieso braucht jeder Gartenbesitzer sein eigenes Feuer? Eine zentrale Feier in jedem Ort, das sollte doch ausreichen.

Bewertung des Artikels: Ø 4.2 Sterne bei 9 Bewertungen
10Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    0
    Nixnuzz
    04.05.2019

    Hypothese: Nach dem die Kaminkehrer mit strenger Kontrolle sich jede Feuerstelle IM Haus ansehen, dürfte die Sperrmüllentsorgung etc. wohl auf die Feuer-Festtage umgelegt worden zu sein....

  • 5
    4
    CPärchen
    01.05.2019

    Das Problem sehe ich in der Ideologisierung. Es ist wieder einmal das Problem Umwelt gegen Tradition. Das emotionalisiert die Debatte. Daher lasst bitte in der Argumentation die Umwelt heraus. Das überzeugt keinen seine Meinung zu wechseln.

    Ich selbst würde auch gerne sie Feuer reguliert haben, da es heute morgen einfach nur stank in der Luft. Wir vermuten, dass vieles unsauber verbrannt wurde.
    Lieber weniger Feuer und dafür größer, geselliger und kontrollierter.

  • 0
    0
    Hinterfragt
    01.05.2019

    Opss, da fehlt ein Teil meines Kommentars von gestern Abend.
    Sollte natürlich lauten:
    Auch wenn man meinen Kommentar vom Nachmittag gesperrt hat, es ist ...

  • 10
    7
    872889
    01.05.2019

    @Hankman: Sie haben recht. Problem ist nur, dass gestern trotz „Regulierung“ weiterhin unzählige Feuer gelodert haben und just im Moment genau diese Dunstglocke über dem Land liegt. Ich frag mich echt, was das hier mit Tradition zu tun hat. Mit Ausnahme einzelner Veranstaltungen findet genau das statt - es wird der Gartenmüll etc. verbrannt, welcher ansonsten nicht verbrannt werden darf. Man muss am 30.04. abends nur mal mit offenen Augen durch die Straßen insbesondere am Stadtrand gehen. Aber wen juckt das schon - das Ordnungsamt dürfte Abend ja frei haben. Aber typische Kommentare wie z.B. von 598229 zeigen das Problem. Es besteht bei einer breiten Bevölkerungsschicht null Bewusstsein für die Umwelt, die eigene Zukunft und erst recht die unserer Kinder. Übrigens 598229 - raten Sie mal, wessen Müll in der Dritten Welt verbrannt wird...

  • 6
    0
    Hinterfragt
    30.04.2019

    Auch wenn man es gesperrt hat, es hier schön, beim Hexenfeuer

  • 18
    2
    Hankman
    30.04.2019

    Ich bin eingedenk früherer Erfahrungen ganz froh, dass zum Beispiel in Chemnitz die Kommune die Walpurgisfeuer reguliert und nicht mehr jeder nach Herzenslust einen großen Scheiterhaufen verfeuern kann. War früher mal so - und hatte zur Folge, dass man dann am Abend kaum noch ein Fenster öffnen konnte, weil ein beißender Brandgeruch über der Stadt lag. Ich will jetzt gar nicht über Feinstaub reden - allein der Gestank war belastend. Dass einige Hexenfeuer tatsächlich Höhenfeuer waren, also auf Bergen und Hügeln am Stadtrand abgebrannt wurden, verschärfte das Problem zusätzlich.

    Wer die Tradition mag und sie pflegen will - bitte. Aber maßvoll. In diesem Sinne stimme ich zu: Ja, gern ein paar Feuer weniger. Und es wäre widersinnig, wenn man einerseits im Garten kein Laub mehr verbrennen darf, andererseits am 30. April aber jeder in seinem Gärtchen ein Lagerfeuer veranstalten kann.

  • 15
    11
    Malum89
    30.04.2019

    Es sollte doch eigentlich jeder kapieren, dass ein paar große Feuer pro Ort in vieler Hinsicht besser sind als 140 oder gar 300 (Glauchau) kleine. Besser für die Luft, besser für die Geselligkeit, besser für die Feuerwehr, die alles kontrollieren muss, besser für die Kleintiere, die sich in den Haufen verstecken. Trotzdem wird gemault und gemeckert über vernünftige Vorschläge, einige würden am liebsten gleich Naturschützer "verfeuern". Unglaublich, diese Dummheit und diese Aggressivität. Andererseits nicht überraschend - Sachsen halt. Dafür sind wir mittlerweile ja deutschlandweit bekannt, leider Gottes.

  • 7
    20
    Blackadder
    30.04.2019

    598229: Man kann das eine tun oder das andere zu lassen.

  • 24
    25
    598229
    30.04.2019

    In der Dritten Welt brennen seit Jahrzehnten die Müllhalden. In Österreich, der Schweiz, in Bayern und anders wo brennen jedes Jahr unzählige Traditionsfeuer. Ozeanlunxusdampfer spucken tonnenweise Dreck aus u.s.w. u.s.w. - aber wir in Deutschland wollen ganz allein die Welt retten. Super!

  • 23
    14
    Nixnuzz
    30.04.2019

    Keine Ahnung welche Rahmenbedingungen zum Feinstaubgrenzwert gelten - aber wenn ich meine "Werkstatt" vom zertretenen Erdreich abfege und mit der Nase überm Kehrblech knie oder noch feiner meinen Akkustaubsauger in die Tonne ohne hochprofessionelen Atemschutz entleere - wie Gefährlich ist das? Gilt das dann als Jahresmittelwert oder nicht eingehaltener Spitzengrenzwert? Wie oft werden Sylvester oder sonstige Brennwert-Feste abgehalten und dann danach die Sterberate spitzenmäßig kontrolliert? Wie glücklich können sich die Veranstalter schätzen, wenn zwischen 2 Regenschauern das verbliebene Gute "sauber" abbrennt. Aber unser Regulationswahnsinn scheint immer uferloser zu werden. Ausspruch eines Radiomoderators zur Bonner Bundesgartenschau vor Urzeiten: "Herrlich - jetzt alle mal richtig durchatmen! - Klasse - jetzt ist die Luft wieder sauber...!".....



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