Navi schickt Autos auf Geisterfahrt

Navigationssysteme sind heutzutage nicht mehr wegzudenken. Dass ihr Einsatz aber auch Gefahren birgt, zeigt ein Fall aus Hohenstein-Ernstthal.

Hohenstein-Ernstthal.

Es grenzt fast an ein Wunder, dass es an dieser Stelle noch nicht gekracht hat. Wer mit seinem Fahrzeug von der Schulstraße in die Schubertstraße in Hohenstein-Ernstthal abbiegen will, kann zum Geisterfahrer werden. Zumindest, wenn der vertrauensvolle Fahrer sich auf die Google-eigene Navigation verlässt, die auf den meisten modernen Mobiltelefonen installiert ist.

Die Schulstraße wird ab Höhe der Tiefgarageneinfahrt auf den letzten Metern zweispurig, bevor sie auf die Schubertstraße trifft, in die man nur links abbiegen kann. Im Normalfall alles kein Problem: Der Fahrer wählt natürlich die rechte Fahrspur, wie es sich gehört, bevor er links in die Schubertstraße einbiegt. Doch wer eben das Google-eigene Navigationssystem in Betrieb hat - und das ist bei Ortsfremden nicht unüblich -, bekommt gesagt: "Einen beliebigen Fahrstreifen benutzen, um links auf Schuberstraße abzubiegen." Und jetzt kommt das Problem: Wer die linke Fahrspur wählt, kommt dem Gegenverkehr in die Quere, weil er zum Geisterfahrer geworden ist.

Wer sich also auf die Angabe dieses Navis verlässt, ist in diesem Fall verlassen. Schulstraße/Ecke Schubertstraße - eine der potenziell gefährlichsten Unfallstellen in Hohenstein-Ernstthal. Wegen eines Navifehlers.

Natürlich ist das Linkseinordnen an dieser Stelle untersagt. Wie es zu einer derartig gefährlichen Fehlinformation kommen kann, fragt sich jetzt auch die Stadt, nachdem ein Hinweis eingegangen ist. "Die Beschilderung an der Stelle ist korrekt und besteht seit vielen Jahren", so Sabine Herold, Mitarbeiterin im Straßenverkehrsamt. Laut Behörde handelt es sich bei der Ecke Schulstraße/Schuberstraße um keinen Unfallschwerpunkt. Allerdings weiß man auch nicht, wie lange die Falschinformation bereits von Google ausgegeben wird. Sollte es in dem Bereich nun häufiger zu Unfällen kommen, bliebe der Stadt als einzige Lösung, die gesamte Schulstraße als Einbahnstraße auszuweisen und das Einbiegen von der Schubertstraße in die Schulstraße zu verbieten. Soweit soll es aber gar nicht erst kommen. "Wir haben die falsche Angabe über die Feedback-Funktion in Google Maps bereits beanstandet", so Sabine Herold.

Auf genau diese Funktion weist auf Nachfrage auch ein Sprecher des Unternehmens hin. Unklar bleibt allerdings, bis wann der Fehler beseitigt werden soll. "Unser Anspruch ist es, dass Google Maps die genauesten, aktuellsten und relevantesten Informationen liefert", heißt es etwas blumig.

Doch auch darin sieht Heiner Sothmann, Sprecher der Deutschen Verkehrswacht, ein Problem: "Die Angaben in den heutigen Navis sind meist so genau, dass einige Leute ihnen blind vertrauen." Sothmann berichtet von Fällen, in denen Fahrer sich in Gräben oder Flüsse haben leiten lassen. Über den Fall aus Hohenstein-Ernstthal zeigt er sich dennoch erstaunt. "So etwas höre ich zum ersten Mal. Wir werden das aufnehmen und nachforschen, ob es ähnliche Vorfälle in Deutschland schon häufiger gegeben hat."

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