Neue Stromtrasse sorgt für Hochspannung im Gemeinderat

Ein Newsletter der Firma 50 Hertz hat jetzt den Callenberger Gemeinderat aufgeschreckt. Die neue Trasse soll die Ortsteile Meinsdorf und Langenberg tangieren.

Falken.

Mit Sprachlosigkeit hat der Callenberger Gemeinderat zur jüngsten Sitzung die Pläne der Firma 50 Hertz erst einmal zur Kenntnis genommen. Die neue 380-Kilovolt-Trasse vom Umspannwerk Röhrsdorf über Weida nach Remptendorf zur Netzverstärkung im Abschnitt Ost soll über Meinsdorf und Langenberg führen. Mit dieser Hiobsbotschaft überraschte Gemeinderat René Fleischer die Ratsmitglieder.

Bereits am 26. März hat 50 Hertz als Betreiber der Übertragungsnetze im Norden und Osten Deutschlands die Planungsunterlagen für diese Vorzugsvariante bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Projektleiterin Elke Korn hatte die Pläne im November bei einem Planungsforum in Neukirchen/Pleiße vorgestellt. Das ist an der Gemeinde Callenberg offensichtlich völlig vorbeigegangen. Die bestehende, rund 100 Kilometer lange 380-Kilovolt-Trasse zwischen Sachsen und Thüringen wird aktuell mit 2500 Ampere je Stromkreis betrieben. Künftig sollen Stromstärken von 3600 Ampere möglich werden. Damit wird die Übertragungskapazität um 40 Prozent erhöht. Dem entsprechend müssen auch die Leitungsquerschnitte und Masten dimensioniert werden. "Das ist schon ein anderes Kaliber", warnt René Fleischer (Unabhängige Bürgergemeinschaft).


Nach Inbetriebnahme der neuen Trasse soll die alte, die über die Langenberger Höhe führt, zurückgebaut werden. Die neue Trasse wird 4,5 Kilometer länger sein als die alte. Dabei wurde berücksichtigt, dass sie Röhrsdorf und Limbach-Oberfrohna nicht tangiert. Meinsdorf und Langenberg sind dagegen von der Trassenführung betroffen. "Wenn erst das Verfahren zur Beteiligung der Träger öffentlicher Belange beginnt, sind die Messen gelesen. Wir müssen jetzt etwas unternehmen, sonst ist es zu spät, um das noch zu verhindern", sagt Gemeinderat René Fleischer.

Gemeinderat Peter Reichel (Die Linke) sieht kaum noch Chancen zum Eingreifen: "Wir hätten dabei sein sollen, als die Gespräche liefen und uns viel eher engagieren müssen." Er sieht hier die Verwaltung gefordert. Sie soll retten was zu retten ist. Bürgermeister Daniel Röthig (CDU) sicherte zu, abzuklopfen, wie auf die Pläne noch Einfluss genommen werden kann.

50 Hertz versorgt im Osten und Norden Deutschlands rund 18 Millionen Menschen mit Strom. Dafür betreiben sie ein Leitungsnetz, das mit 10.200 Kilometern genauso lang ist wie die Entfernung von Berlin nach Rio de Janeiro. Das Unternehmen plant derzeit eine ganze Reihe von Leitungsprojekten.

Hintergrund ist die Stärkung des Leitungsnetzes, um die in den Offshore-Windparks in der Ostsee erzeugte Energie zu den Verbrauchern in Süddeutschland zu bringen. In dem Zusammenhang werden mehrere 220- und 380-Kilovolt-Freileitungen durch neue ersetzt. Dazu gehört die Trasse Röhrsdorf-Weida-Remptendorf. Sie wird im Bundesbedarfsplangesetz als Nummer 14 geführt.

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