Neuer Tedi am Bahnhof - Gefahr für den Einzelhandel?

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Hohenstein-Ernstthals OB hält den Billigmarkt für eine Bereicherung. Ein Manager glaubt, die Tage vieler kleiner Geschäfte seien ohnehin gezählt.

Hohenstein-Ernstthal.

Der eine oder andere Hohenstein-Ernstthaler dürfte sich fragen, was aktuell auf der Großbaustelle gegenüber vom Bahnhofs entsteht. Schon seit einiger Zeit herrscht mächtig Betrieb. Offensichtlich findet hier ein Umbau des Netto-Marktes statt. Dieser, so zumindest der Plan, wird Ende März in einem komplett modernisierten Gebäude wieder eröffnet.

Mehr Fragen dürfte das Baufeld nebenan aufwerfen. Wie der Bauherr, die Firma Saller Bau aus Weimar, auf Anfrage mitteilt, wird dort ein Tedi-Markt entstehen, der erste in Hohenstein-Ernstthal. Die Eröffnung ist für diesen Sommer geplant, sagt Andreas Barth, Projektleiter bei Saller Bau. Am Standort sollen knapp 530 Quadratmeter Verkaufsfläche entstehen.

Tedi unterhält laut eigenen Angaben 2400 Filialen in neun europäischen Ländern. Die Märkte bieten ein breite Auswahl an günstigen Artikeln. Das Sortiment reicht von Haushaltswaren über Tierfutter und Drogeriewaren bis hin zu Süßigkeiten, Bastelzeug oder Bürobedarf. Bis auf Lebensmittel findet man hier also fast alles unter einem Dach. "Es ist erstaunlich, wie gut solche Geschäfte mittlerweile angenommen werden", sagt Andreas Barth.

Etwa drei Millionen Euro will Saller Bau am Standort in die Hand nehmen. Auch die Modernisierung des Netto-Gebäudes liegt in der Regie des Weimarer Unternehmens. "Wir gehen davon aus, dass geplant wird, langfristig zu vermieten, wenn der Bauherr so viel Geld in die Hand nimmt", sagt Oberbürgermeister Lars Kluge (CDU). 2019 hatte die Stadt die Baugenehmigungen erteilt. Da habe man noch nicht gewusst, was in das neue Gebäude kommt. "Ich bin aber froh, dass bald nicht mehr nur Brache zu sehen ist, wenn man mit dem Zug vorbeifährt", so der OB weiter.

Dass der Verkaufsstandort, an dem Kunden viele Waren an einem Ort bekommen, dem ohnehin schon strauchelnden Einzelhandel in der Innenstadt weiter das Wasser abgräbt, glaubt Kluge nicht. "Der Markt entsteht ja nicht auf der grünen Wiese, sondern relativ innenstadtnah." Zudem seien Netto und Tedi die westlichsten größeren Einkaufsmöglichkeiten in der Stadt. Davon profitierten insbesondere die Anwohner der etwas abgelegenen Ernst-Thälmann-Siedlung, so Kluge.

Saller-Bau-Projektleiter Andreas Barth hat eine andere Sicht auf die Dinge. Der Einzelhandel werde sich in den nächsten Jahren überall ausdünnen. "Das ist eine natürliche Entwicklung, die aktuell durch Corona nur beschleunigt wird." So gelinge es vielen Inhabern nicht, Nachfolger zu finden. "Die kleinen Läden will heute keiner mehr haben. So ehrlich sollte man sein." Auch Handelskonzepte brächten wenig. Vielmehr, so Barth, sei es an der Zeit, über neue Möglichkeiten der Innenstadtbelebung nachzudenken. "Ich denke da vor allem an Kultur und Wohnraum."

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