"Nicht nach Superlativen greifen"

Der Oberlungwitzer Bürgermeister Thomas Hetzel über Bürokratie, neuen Wohnraum und die angenehmen Seiten als Stadtchef

Oberlungwitz.

Die Ortschefs der Region sollen der "Freien Presse" in Sommerinterviews Rede und Antwort stehen. Den Auftakt macht Thomas Hetzel (35, parteilos), seit 2015 Bürgermeister von Oberlungwitz. Er hat die Fragen von Markus Pfeifer beantwortet.

Freie Presse: Der Sachsenringtrubel hat sich relativ schnell gelegt. Wird es für Sie nun auch etwas ruhiger?

Thomas Hetzel: Ja, insgesamt wird es etwas ruhiger, was schon allein daran liegt, dass in der Sommerpause keine Ausschuss- oder Stadtratssitzungen stattfinden und die Urlaubszeit auch bei den übergeordneten Behörden spürbar ist. Die Zeit wird effektiv genutzt, um das abzuarbeiten, was sonst so liegen bleibt.

Welche Themen bestimmen die Arbeit im Rathaus derzeit?

Aktuell nutze ich die Zeit vermehrt für konzeptionelle Arbeiten, unter anderem dafür, dass wir neue Projekte vorbereiten, aber auch haus- interne Neuerungen vorantreiben. Schließlich hat man den Anspruch, auch Arbeitsabläufe innerhalb des Hauses zu optimieren. Auch für den Haushaltsplan 2019 müssen jetzt schon Zuarbeiten erfolgen, damit wir diesen so zeitig wie möglich beschließen können. Und als Bürgermeister wird man in den Sommermonaten zu vielen Veranstaltungen eingeladen, da lasse ich mich natürlich gern blicken, sofern es der Terminkalender zulässt.

Welche Bauvorhaben laufen oder werden gerade vorbereitet?

Aktuell wird im Bereich der Robert-Koch-Straße weitergebaut. Im September oder Oktober sollen dann auch erste Arbeiten im Rahmen der Umgestaltung des FSO-Parks beginnen. Das Rathaus erhält endlich den lang ersehnten Anbau, durch den dann alle Etagen barrierefrei erreichbar sind. Im Bereich der Brücke Goethestraße wird es ab Ende September Sanierungsarbeiten geben.

Sie sind nun rund drei Jahre im Amt. Was gefällt Ihnen an der Arbeit als Bürgermeister?

Das sind im Wesentlichen zwei Dinge: die Vielseitigkeit der Aufgaben und Herausforderungen, mit denen man täglich konfrontiert wird und zum anderen die Nähe zur Bevölkerung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung sind, genauso wie ich selbst, tagtäglich mit den Belangen der Menschen vor Ort konfrontiert, und es ist schön, wenn man am Ende des Tages etwas im Sinne der Einwohnerinnen und Einwohner bewegen konnte. Auch, wenn das oft nicht einfach ist.

... und was weniger?

Das ist die teils lange Zeit, die von einer Idee bis zur Umsetzung aufgrund zahlreicher bürokratischer Hürden und vieler Entscheidungsträger vergeht. Wenn man schon einmal in der freien Wirtschaft gearbeitet hat, dann fällt einem das Warten oft schwer. Es gibt im öffentlichen Bereich noch zu viele unnötige Richtlinien und Vorgaben, die ein flexibles Arbeiten und Agieren oft nicht ermöglichen.

Im Wahlkampf vor drei Jahren war die Verbesserung der Präsentation im Internet ein Thema. Da hakt es noch etwas, oder?

Oh ja, und das ärgert mich besonders. Es gibt bereits eine im Hintergrund erstellte neue Seite, die eigentlich nur noch mit den notwendigen Inhalten befüllt werden muss. Aber leider fehlt uns derzeit genau hierfür die Arbeitskraft. Und am Ende des Tages müssen zuerst die Pflichtaufgaben erledigt sein, und dann kann man sich den freiwilligen Dingen widmen. Aber ich hoffe, dass wir das Projekt bis zum Ende des Jahres umgesetzt haben.

Neue Gewerbeansiedlungen sind in Oberlungwitz schwierig. Sind Sie mit der wirtschaftlichen Situation zufrieden?

In unserem Flächennutzungsplan haben wir aber noch eine Fläche, die als potenzielle Gewerbegebietsfläche ausgewiesen ist. Diesem Thema werden wir uns im Laufe des nächsten Jahres sicher widmen. Unabhängig davon bin ich aber mit der wirtschaftlichen Situation insgesamt zufrieden. Dadurch, dass wir mehrere mittelständische Firmen aus unterschiedlichen Branchen haben, sind wir gut aufgestellt und nicht wie andere Kommunen von einem einzigen Wirtschaftszweig abhängig. Und auch die Zusammenarbeit mit Hohenstein-Ernstthal hinsichtlich der gemeinsamen Gewerbegebietsflächen läuft hervorragend.

Wie sieht es in Sachen Bauland in der Stadt aus? Gibt es Pläne für neue Wohngebiete?

Ideen gibt es, und wir haben darüber auch schon in den städtischen Ausschüssen gesprochen. Größtenteils reden wir bei den Potenzialflächen aber oft über private Grundstücke. Zudem präferieren wir es, wenn sich für die Erschließung von Bauland Investoren finden.

Was wünschen Sie sich für die Stadt und ihre Bürger in der Zukunft?

Ich wünsche mir, dass sich unsere Stadt auch weiterhin kontinuierlich und im Rahmen des Möglichen positiv weiterentwickelt. Dabei halte ich daran fest, dass man nicht immer nach Superlativen greift oder bei Vergleichen an erster Stelle stehen muss, sondern ganz genau abwägt, was sinnvoll ist und den Einwohnern zugute kommt. Und ich wünsche mir, dass es auch nach der Kommunalwahl 2019 einen Stadtrat gibt, in dem parteipolitische Befindlichkeiten keine Rolle spielen, sondern auch weiterhin sinnvolle und gute Entscheidungen im Sinne der Bürger und der Stadt getroffen werden.

Wie sehen Ihre Urlaubspläne aus?

Ich werde mir diese Woche eine kurze Auszeit nehmen und Zeit mit der Familie verbringen. Für den Rest des Jahres erfolgt die Urlaubsplanung dann eher kurzfristig.

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