Niedlich, friedlich, nützlich: Pakos können noch viel mehr

Den Bach runter "Freie Presse" unterwegs im Lungwitztal. Teil 6: Eine Familie, die mit und von Alpakas lebt.

St. Egidien.

Aufgeregt und mit neugierigen Blicken verfolgt Alpaka Apollo seine neuen Besucher. Er steht allein auf einer der umzäunten Weiden an der Lungwitzer Straße 116 in St. Egidien. Viel zu stolz ist der weiße Zuchthengst der Alpakas vom Lungwitztal, als dass er Konkurrenten bei sich duldet.

"Die Stuten und Hengste leben getrennt, sie sehen sich zwar, aber es würde Futterneid geben, wären alle zusammen", sagt Roswitha Pörnig, die die zutraulichen Tiere seit zehn Jahren um sich hat. Ihr Sohn kam auf die Idee, von Schafen zu Alpakas zu wechseln. Nach 38 Jahren Arbeit in der Niederlungwitzer Strumpffabrik hatte Roswitha Pörnig sich 2013 mit dem "Sockenhaus" selbstständig gemacht. Gemeinsam mit ihrem Sohn Torsten Wolf, der die Zucht unter seinem Namen betreibt, hat die Familie alle Hände voll zu tun mit der Alpakazucht. "Jeder hat seine Aufgabe, vom Füttern bis zum Ausmisten. Die Schwiegertochter ist für die Wurmkuren und Impfungen zuständig, da sie Krankenschwester ist", sagt die 59-Jährige. Die Anfälligkeit zu Krankheiten sei sehr hoch, sie seien ihrer Herkunft nach nur karges Futter gewohnt und generell empfindlich. "Sondert sich ein Tier ab, müssen wir es genau beobachten. Von Milben bis Darmbakterien, schnell kann ein Tier erkranken, und es gilt Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen", erklärt Roswitha Pörnig.

Da der Sohn tagsüber seinen Beruf als Werkzeugmacher ausübt, hat Roswitha Pörnig bis nachmittags alleine zu tun. Da gilt es Besorgungen zu machen oder Besuchern den Hof zu zeigen. Gern erklärt sie Kindern das Domizil dieser besonderen Tiere, auch Pakos genannt, aus Peru. Der im Juni geborene Iberio zum Beispiel zieht alle Blicke auf sich und besitzt als jüngstes Tier der Zucht auch das weicheste Fell. "Die Alpaka-Babys werden erst nach elf Monaten geboren, die Stute sucht sich für den Tag der Geburt das schönste Wetter aus, es muss die Sonne scheinen, denn das Jungtier trocknet von selbst und muss gleich laufen können." Gern öffnet Roswitha Pörnig das Gatter und lässt das niedliche Jungtier samt Mutter und den anderen Alpakas zu den Hofbesuchern. Liebevoll streicheln die Kinder über das weiche Fell und freuen sich über das neugierige Beschnuppern und die Zutraulichkeit der Tiere. "Nur bei Gefahr oder Futterneid wird gespuckt", erklärt Roswitha Pörnig und fügt lachend hinzu: "Sie sind eher gute Zuhörer."

Im Mai wurden alle Tiere geschoren und sehen jetzt mit dem restlichen Wollkleid am Bein wie kleine Rehlein aus. "Einmal im Jahr wird den Tieren die wertvolle Wolle vom Körper rasiert, daraus entstehen dann die vielen Produkte, die wir in Sachsen stricken lassen und dann in unserem "Socken-Haus" im Internet oder auf den großen Märkten verkaufen." Damit die Wolle möglichst sauber bleibt, lässt man Alpakas nicht über Kopf das Heu fressen. Aus Löchern nehmen sie sich ihr Futter, damit sich nichts im Fell verfängt.

"Manchmal kaufen wir Alpakagarn zu, denn vier Tiere geben etwa zehn Kilo Wolle. Für die Nachfragen unserer Produkte reicht es manchmal nicht aus", sagte Torsten Wolf. Steppdecken, Kissen, Socken oder Stirnbänder erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, vor allem in der Zeit vom Oktoberfest bis zum Fasching. "Und ich freue mich, dass wir endlich unser Projekt des kleinen Hofladens auf dem Vierseithof umsetzen können. Da kann ich die Produkte besser präsentieren und lagern", ergänzt Mutter Roswitha.

Die Ferienkinder, Jule, Lisa und Marie, die an diesem Tag den Hof besuchen, weichen den Tieren nicht mehr von der Seite. "Iberio ist so weich", sagt die neunjährige Jule aus Ebersbach, die mit ihren Großeltern aus Hohenstein-Ernstthal vorbeischaut. "Iberio hatte eine schwere Geburt, anfangs gab die Mutter keine Milch. Doch nun hat er bereits acht Kilo", freut sich Roswitha Pörnig. Auch der zweijährige Alpaka Gonzo wird regelmäßig von seiner Kindergartengruppe aus St. Egidien besucht, ganz feierlich wurde er von den Kindern getauft.

"Die erste Baby-Wolle der Jungtiere ist ebenfalls etwas ganz Besonderes. Alle Züchter senden diese Wolle zum Lama- und Alpakazuchtverband Mitteldeutschland, und daraus entstehen die besonders kuscheligen Decken." Bei dieser Hitze denkt auch Roswitha Pörnig nicht ans Zudecken. "Aber die Tiere mögen die Hitze, legen sich teilweise direkt in die Sonne auf ihre Wälzplätze. Ich gebe Obacht, dass ausreichend getrunken wird."

 

Teil 5: Die Bier-Versteher

Teil 4: Ein Familienunternehmen mit einer Vorliebe für Holz und Pferde

Teil 3: Das Heimatmuseum in St. Egidien

Teil 2: Katrin Bohge und ihr Hundefriseursalon

Teil 1: Matthias Pöschmann und seine Ölmühle

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